Bitcoin im Wettbewerb der Währungen. Geldtheorie, Marktprozess und die Frage nach stabilem Geld im digitalen Zeitalter

Zusammenfassung

Bitcoin ist längst nicht mehr nur Spekulationsobjekt. Es ist zu einem echten Stresstest für das Fiat-Geldsystem geworden – ein System, das auf Verschuldung, Zentralbanksteuerung und staatlichem Währungsmonopol basiert. Im Podcast „Dezentral & Direkt“ diskutieren Markus Krall und Roman Reher genau diese Bruchlinie. Beide lehnen das staatliche Geldmonopol ab und plädieren für einen Wettbewerb der Währungen – ganz im Sinne der Österreichischen Schule.

Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Frage der Stabilität: Kann Bitcoin zu stabilem Geld werden – oder bleibt er ein volatiles Asset ohne langfristige monetäre Qualität?

Krall argumentiert klar: Ohne stabile Kaufkraft kann Bitcoin keine Recheneinheit sein – und damit kein echtes Geld. Stabilität ist für ihn Voraussetzung, nicht Ergebnis.

Reher hingegen betrachtet Bitcoin als Marktprozess. Stabilität entsteht seiner Ansicht nach nicht vorab, sondern entwickelt sich durch wachsende Liquidität, zunehmende Markttiefe und globale Verteilung. Monetisierung ist ein dynamischer Prozess – kein Zustand.

Auch Gold wird neu bewertet. Krall verteidigt es als bewährten Wertspeicher. Reher entgegnet, dass Gold im digitalen Zeitalter fast zwangsläufig in ein System aus Zertifikaten, Verwahrstellen und Versprechen überführt wird – und damit erneut auf Vertrauen statt auf überprüfbarer Eigentümerschaft beruht.

Am Ende steht kein Dogma, sondern ein offener Wettbewerb. Die Frage bleibt: Muss Stabilität vor der Monetisierung existieren – oder entsteht sie erst durch sie?

Einordnung der Gesprächspartner und des Podcasts

Ausgangspunkt dieser Analyse ist ein ausführliches Gespräch im Podcast „Dezentral & Direkt“, moderiert von Johanna Cotar und Roman Reher. Zu Gast ist Markus Krall, Ökonom, Unternehmer und Goldbefürworter sowie eine der wichtigsten Stimmen der Systemkritik im deutschsprachigen Raum.

Markus Krall hat viele Jahre im Finanzsektor gearbeitet und Risikomodelle für Banken und Finanzinstitute entwickelt. Er kennt das moderne Kredit- und Schuldsystem von innen. Zudem war er Vorsitzender des Aufsichtsrats von Degussa Goldhandel. Seine Kritik am Fiat-System ist daher nicht nur theoretisch, sondern beruht auf direkter Beobachtung von Risikoketten, Liquiditätszwängen und systemischer Instabilität.

Roman Reher ist Gründer und Geschäftsführer von Blocktrainer, einer der einflussreichsten Bildungsplattformen im deutschsprachigen Raum mit klarem Bitcoin-only-Fokus. Seit über sieben Jahren beschäftigt er sich intensiv mit Bitcoin, mit einem anfänglichen Hintergrund im IT-Bereich. Im Podcast argumentiert er als jemand, der Bitcoin als Geldsystem versteht: als ein Bündel dezentraler Regeln, dessen Wert aus Verifizierbarkeit, Knappheit und Netzwerkeffekten entsteht.

Johanna Cotar bringt die politische Perspektive ein. Sie kennt die Mechanismen staatlicher Macht, Gesetzgebung und Institutionen von innen und zeigt, warum Geldmonopole nicht zufällig entstehen, sondern politisch gewollt und systematisch geschützt werden.

Der aktuelle Zustand des Fiat-Geldes

Geld wird heute vom Staat definiert. Es wird über Zentralbanken und Geschäftsbanken geschaffen, über Kreditausweitung in die Wirtschaft eingespeist und über Besteuerung, Regulierung und Annahmezwang stabilisiert. Aus Sicht der Österreichischen Schule ist das der zentrale Punkt. Fiat-Geld ist nicht das Ergebnis eines Marktprozesses, sondern ein politisches Konstrukt.

In einem Fiat-System ist Inflation kein Unfall, sondern ein strukturelles Merkmal. Wer spart, erleidet eine langsame Erosion der Kaufkraft. Wer Risiken eingeht, wird belohnt. Schwaches Geld fördert Verschuldung, Fehlallokationen von Kapital und eine hohe Zeitpräferenz. Die Frage nach Bitcoin und Gold ist daher nicht akademisch. Es ist die Suche nach einer Alternative, nach stabilem Geld, das nicht beliebig reproduzierbar ist und nicht vom Wohlverhalten von Institutionen abhängt.

1) Wettbewerb der Währungen

Ein echter Geldmarkt setzt Wahlfreiheit voraus. Im heutigen System ist diese Freiheit stark eingeschränkt. Fiat-Geld ist tief in Verträge, Besteuerung, Buchhaltung und Recht eingebettet. Auch wer Alternativen nutzt, ist in der Praxis gezwungen, ständig in das staatliche System zurückzukehren. Das ist der gemeinsame Ausgangspunkt, in dem Krall und Reher übereinstimmen.

These von Krall

Krall betont, dass Währungswettbewerb nicht nur wünschenswert, sondern notwendig ist. Fiat-Geld kann sich nur durch Monopol und Zwang behaupten. Ohne gesetzlichen Annahmezwang, ohne steuerliche Privilegien und ohne regulatorische Begünstigung würde es besseren Währungen unterliegen. Dass Staaten Geldmonopole errichten, ist kein Zufall, sondern ein Beleg. Wäre Fiat-Geld überlegen, müsste es nicht geschützt werden.

Krall verbindet diese Position mit einer grundlegenden Diagnose. Das Fiat-System braucht das Monopol, weil es sonst seine zentrale Funktion nicht erfüllen könnte: die Finanzierung staatlicher Ausgaben über Inflation und Schulden. In einem freien Wettbewerb wäre stabiles Geld eine Bremse für politische Willkür. Deshalb wird Wettbewerb historisch verhindert.

Antwort von Reher

Reher stimmt zu und setzt genau hier an. Bitcoin ist relevant, weil er Währungswettbewerb wieder möglich macht. Bitcoin wurde nicht per Gesetz eingeführt. Er existiert, weil Menschen ihn freiwillig nutzen. Der Markt entscheidet, nicht die Politik. Das ist der Kern. Eine Währung, die ohne staatliche Privilegien überlebt, zeigt, dass Geld nicht zwangsläufig vom Staat kommen muss.

Reher macht klar, dass Bitcoin nicht perfekt sein muss, um relevant zu sein. Allein die Existenz einer Alternative verändert das Spielfeld. Bitcoin zwingt das Fiat-System, sich zu rechtfertigen, sich zu vergleichen, zu konkurrieren. Das ist eine historische Zäsur in der Geldgeschichte.

Reflexion

Wenn Geld wieder in den Wettbewerb tritt, wird sichtbar, was zuvor verborgen blieb. Die Stabilität des Fiat ist oft weniger Marktstabilität und mehr Monopolstabilität.

2) Geldfunktion und Recheneinheit

Geld ist nicht nur ein Vermögensgut. In einer arbeitsteiligen Wirtschaft muss Geld vor allem koordinieren. Preise sind Information. Wer produziert, investiert und plant, braucht eine Recheneinheit, die die Parameter nicht ständig verschiebt. Hier setzt der klassische Angriff auf Bitcoin an: seine Volatilität.

These von Krall

Krall argumentiert, dass Geld zwingend eine Recheneinheit sein muss. Dafür braucht es eine relative Stabilität gegenüber einem Warenkorb. Ohne diese Stabilität wird wirtschaftliche Kalkulation unmöglich. Unternehmen müssen Kosten, Löhne und Lieferketten planen. Wenn das Geld selbst stark schwankt, wird das gesamte System nervös, ineffizient und riskant.

Krall räumt ein, dass Bitcoin heute noch kein Geld ist, höchstens ein Kandidat. Genau das ist das Problem. Ein Kandidat wird nicht deshalb Geld, weil man es hofft, sondern weil er die Funktion erfüllt. Solange Bitcoin diese Funktion nicht erfüllt, bleibt die Behauptung, Bitcoin werde Geld, unbelegt.

Antwort von Reher

Reher akzeptiert die aktuelle Feststellung, dreht aber die Kausalität um. Bitcoin ist heute keine stabile Recheneinheit, weil er sich noch im Monetarisierungsprozess befindet. Stabilität ist nicht der Ausgangspunkt, sondern das Ergebnis. Ein junges monetäres Gut muss erst einen Preis finden, Verteilung, Liquidität und Markttiefe aufbauen.

Entscheidend ist der Netzwerkeffekt von Geld. Geld entsteht nicht primär aus technischen Eigenschaften, sondern aus Nutzung. Je mehr Menschen eine Währung verwenden, desto mehr orientieren sich Preise, Löhne, Verträge und Routinen an ihr, desto stärker wird ihre Rolle als Recheneinheit. Nicht weil jemand es verordnet, sondern weil es für alle effizienter ist, sich auf denselben Standard zu beziehen. Deshalb ist Geld historisch dort entstanden, wo Akzeptanz sich selbst verstärkt hat.

Reher betont zudem den Vergleich mit Fiat. Fiat-Geld erscheint als Recheneinheit stabil, weil es keine Alternative gibt und weil seine Instabilität über Zeit verteilt und politisch kaschiert wird. Bitcoin macht Instabilität im Preis sichtbar. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Bitcoin heute Recheneinheit ist, sondern ob er es durch wachsende Nutzung und Marktgröße werden kann.

Reflexion

Fiat ist Recheneinheit durch systemischen Zwang. Bitcoin muss es durch einen Marktprozess werden. Das ist langsamer, aber ehrlicher.

3) Volatilität

Volatilität ist nicht nur ein Chart-Problem. Sie ist ein Hinweis auf Planbarkeit, Risiko und die Fähigkeit eines Gutes, als Geld zu funktionieren oder nur als Spekulationsinstrument. Gleichzeitig ist Volatilität immer relativ: abhängig von Zeit, Marktgröße, Liquidität und Vergleichswährung.

These von Krall

Krall stellt die Volatilität ins Zentrum seiner Kritik. Geld, das in kurzen Zeiträumen stark schwankt, kann weder verlässliches Tauschmittel noch Recheneinheit sein. Das ist kein emotionales Urteil, sondern funktional. In einer hochspezialisierten Wirtschaft darf das Maß nicht instabil sein.

Krall verschiebt die Diskussion deshalb in die Zukunft. Soll Bitcoin Geld werden, muss die Volatilität deutlich sinken. Es braucht einen Zustand, in dem Bitcoin in einem relativ engen Korridor gegenüber dem Warenkorb schwankt. Ohne diesen Zustand bleibt Bitcoin ein Vermögensgut, dessen Wert von Erwartungen, Wetten und Spekulation dominiert wird.

Krall ist skeptisch, dass Adoption allein das Problem löst. Bitcoin wurde über die Jahre zunehmend übernommen – von Early Adopters über Privatinvestoren bis zu Institutionen – und zeigte dennoch extreme Schwankungen. Zudem kann institutionelle Beteiligung Volatilität sogar verstärken, durch Hebel, Derivate und Kettenliquidationen.

Antwort von Reher

Reher erkennt Volatilität als Tatsache an, interpretiert sie aber als Teil der Preisfindung eines knappen monetären Gutes. Bitcoin ist kein bloßes technisches Token, sondern ein monetäres Gut, das erst seit relativ kurzer Zeit global bewertet wird. In diesem Prozess sind starke Preisbewegungen plausibel, weil der Markt den Preis nicht kennt, sondern entdeckt.

Reher verknüpft Volatilität mit Marktmechanik. Je größer die Marktkapitalisierung, je tiefer die Liquidität und je breiter die Verteilung, desto schwieriger wird es, den Preis stark zu bewegen. Große Bewegungen erfordern immer größere Kapitalmengen. Das ist für ihn ein plausibler Pfad: Monetarisierung führt zu mehr Markttiefe, und Markttiefe dämpft Volatilität.

Reher betont auch die Relativität der Perspektive. Für Menschen in schwachen Währungen kann Bitcoin trotz Schwankungen attraktiver sein, weil Kaufkraftverlust und Instabilität des lokalen Fiat noch stärker sind. Volatilität ist also nicht nur eine Zahl, sondern eine Frage des Vergleichs.

Reflexion

Die Volatilität des Fiat ist oft unsichtbar und kumulativ. Die Volatilität von Bitcoin ist sichtbar und zyklisch. Die Frage ist, welche Form eine Gesellschaft lieber trägt.

4) Gleichgewichtskurs

Soll die Volatilität sinken, braucht es eine Erzählung: Woher kommt Stabilität? Wie bildet sich ein Gleichgewicht? Krall verlangt einen erklärbaren Mechanismus, Reher verweist auf Marktevolution. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen geplantem Ordnungskonzept und spontaner Emergenz.

These von Krall

Krall sagt, Bitcoin müsse – wenn er Geld werden soll – zu einem Gleichgewichtskurs konvergieren. Kein Gut kann ewig exponentiell wachsen. Irgendwann muss es ein Niveau erreichen, auf dem Schwankungen moderat werden. Die Kernfrage ist, warum ausgerechnet Bitcoin diesen Zustand erreichen sollte und über welchen Mechanismus.

Krall kritisiert die Erzählung, der Markt werde schon „einfach“ sein Gleichgewicht finden. Das ist möglich, aber nicht erklärt. Ohne einen verständlichen ökonomischen Mechanismus bleibt die These Glaubenssache. Und Geld darf nicht auf Glauben beruhen, weil es die Koordinationsfunktion der gesamten Wirtschaft trägt.

Antwort von Reher

Reher entgegnet, ein Gleichgewicht könne nicht geplant, sondern nur entdeckt werden. Preise sind Ergebnis unzähliger Entscheidungen. Märkte finden Werte, ohne sie zu berechnen. Ein Mechanismus ist kein zentraler Plan, sondern die Summe aus Liquidität, Verteilung, Nutzung und Vertrauen in stabile Regeln.

Reher betont einen qualitativen Unterschied zu Fiat-Systemen und Gold. Bei Bitcoin dominiert Verifizierbarkeit gegenüber institutionellem Vertrauen. Geldmenge, Regeln und Transaktionen sind öffentlich und überprüfbar. Stabilität entsteht nicht, weil eine Institution sie garantiert, sondern weil Marktteilnehmer sich auf ein Regelwerk verlassen, das jederzeit kontrolliert werden kann. Dieses Prinzip, oft zusammengefasst als don’t trust, verify, ist kein Preisversprechen, aber eine Voraussetzung für langfristige Akzeptanz.

Reflexion

Krall sucht eine beweisbare Brücke zur Stabilität. Reher akzeptiert, dass Märkte Brücken bauen, ohne den Bauplan zu veröffentlichen.

5) Arbeitsteilung, Lieferketten und wirtschaftliche Kalkulation

Eine hochspezialisierte Wirtschaft ist störanfällig. Kleine Reibungen können sich entlang von Lieferketten fortpflanzen. Geld ist das Nervensystem dieses Ganzen. Ist das Nervensystem unzuverlässig, wird Koordination teuer.

These von Krall

Krall erklärt: Je stärker eine Wirtschaft arbeitsteilig organisiert ist, desto stabiler muss das Geld sein. In komplexen Produktionsnetzen werden Rohstoffe, Vorprodukte, Transport, Lagerung, Löhne und Endpreise über mehrere Ebenen koordiniert. Schwankt das Geld stark, wird Planung zu Spekulation. Unternehmen müssen große Sicherheitsmargen einbauen oder Komplexität reduzieren.

Krall räumt ein, dass kleinere Ökonomien mit weniger stabilem Geld auskommen können, weil Arbeitsteilung geringer ist oder weil das alternative Fiat noch schlechter ist. In entwickelten Volkswirtschaften sind die Anforderungen jedoch höher. Das ist kein moralisches Urteil, sondern Systemlogik.

Antwort von Reher

Reher bestreitet die Logik nicht, aber die Schlussfolgerung. Es sei plausibel, dass ein monetäres Gut in Monetarisierung anfangs zu volatil ist, um diese Rolle zu tragen. Er sieht jedoch keinen Grund, warum Bitcoin sie in einer späteren Phase nicht übernehmen könnte, sobald eine ausreichende Größe erreicht ist.

Reher betont: Stabilität kommt nicht aus einem Geld-Label, sondern aus Liquidität und Markttiefe. Erreicht Bitcoin eine deutlich höhere Marktkapitalisierung und breitere Verteilung, sinkt die Fähigkeit einzelner Akteure oder gehebelter Mechanismen, extreme Bewegungen auszulösen. In diesem Szenario wird auch die Recheneinheitsfunktion realistischer.

Reher hebt außerdem hervor, dass Bitcoin nicht nur mehr Käufer braucht, sondern stärkere Netzwerkeffekte. Adoption ist nicht die Frage, ob jemand einmal kauft, sondern ob Bitcoin in immer mehr Bereichen zum Standard wird: als Sparinstrument, Sicherheitsreserve, Settlement-Infrastruktur und Bewertungsmaßstab. Je stärker dieser Netzwerkeffekt, desto weniger hängt der Wert von spekulativem Zufluss ab. In diesem Sinn lebt eine Blase von neuen Käufern, während ein Geldnetzwerk wächst, indem es in Gewohnheiten und Infrastrukturen einzieht.

Reflexion

Krall argumentiert aus den Anforderungen der Industrie von heute. Reher blickt auf einen möglichen Marktpfad von morgen.

6) Adoption, Institutionen und die Frage nach der „letzten Kette“

Eine klassische Blasenlogik sagt: Der Preis steigt, solange neue Käufergruppen kommen. Irgendwann sind alle „drin“ und die Bewegung endet. Krall greift dieses Schema auf. Reher stellt seine Anwendbarkeit auf Monetarisierungsprozesse in Frage.

These von Krall

Krall beschreibt eine beobachtbare Adoptionskette: von den ersten Enthusiasten über Privatinvestoren bis zu Institutionen und Staaten. Seine kritische Frage: nähert sich Bitcoin dem Ende dieser Kette? Wenn die letzten großen Akteure Teil des fragilen Fiat-Systems sind, könnten sie in einer Krise gezwungen sein, zur Liquiditätsbeschaffung zu verkaufen. Dann würde Bitcoin nicht stabilisieren, sondern zusammen mit dem System schwanken.

Aus dieser Sicht wäre Bitcoin kein unabhängiges monetäres Gegengewicht, sondern ein weiteres Asset im System – ausgesetzt Liquiditätszwängen und Marktschocks.

Antwort von Reher

Reher widerspricht der Idee, monetäre Adoption folge einer einfachen Käuferkette. Zugang ist nicht gleich Akzeptanz. Dass Bitcoin heute institutionell handelbar ist, bedeutet nicht, dass er als Geld „angekommen“ ist. Monetarisierung ist kein Ereignis, sondern ein langsamer Netzwerkeffekt.

Die zentrale Frage ist nicht, wer zuerst kauft, sondern ob Bitcoin in immer mehr Funktionen wächst: als Sparinstrument, Sicherheitsreserve, Settlement-Infrastruktur, Referenzeinheit. Je stärker dieser Netzwerkeffekt, desto weniger hängt der Wert von spekulativem Zufluss ab. Nachfrage entsteht dann aus Nutzung, nicht aus Erwartung.

Reher unterscheidet klar zwischen Blasen und Geldnetzwerken. Eine Blase lebt vom Zustrom neuer Käufer. Ein Geldnetzwerk wächst, wenn ein Gut Teil von Routinen, Infrastrukturen und Erwartungen wird.

Reflexion

Krall liest Adoption als Kette. Reher interpretiert sie als zivilisatorischen Prozess.

7) Hat Gold als Wertspeicher versagt?

Gold ist das historische Gegenstück zu Fiat-Geld. Es steht für Knappheit, Dauerhaftigkeit und jahrtausendelange monetäre Akzeptanz. Die Frage betrifft nicht diese Geschichte, sondern ob Gold in einer digitalen Welt noch alle monetären Funktionen erfüllen kann.

These von Krall

Krall verteidigt Gold als bewährten Wertspeicher. Über sehr lange Zeiträume hat Gold Kaufkraft erhalten. Es ist niemandes Schuld, nicht beliebig vermehrbar und historisch erprobt. Wenn Gold heute kein Geld mehr ist, liegt das nicht am Gold selbst, sondern an seiner politischen Verdrängung zugunsten von Fiat-Geld.

Zertifikate und Derivate verzerren den Markt, bedeuten aber kein Versagen des Goldes, sondern des Systems, das es an den Rand drängt. Physisches Gold im direkten Besitz bleibt für Krall ein Beispiel für stabiles Geld.

Antwort von Reher

Reher bestreitet nicht die historische Rolle des Goldes, wohl aber seine heutige Funktion. In der modernen Welt wird Gold nahezu zwangsläufig zu einem System aus Ansprüchen, Verwahrern und Versprechen. Der Goldmarkt ist zu großen Teilen ein Kreditmarkt, kein Markt physischen Besitzes.

Das führt erneut zu Drittparteirisiken. Es gibt keinen globalen, transparenten und jederzeit überprüfbaren Weg, sicher festzustellen, ob das versprochene Gold tatsächlich existiert, mehrfach verpfändet wurde oder im Krisenfall geliefert werden kann. Genau dieses Vertrauensproblem sollte stabiles Geld historisch lösen – und hier kehrt es zurück.

Hinzu kommen funktionale Grenzen. Gold ist schwer transportierbar, schlecht teilbar und ungeeignet, Wert in Echtzeit global zu bewegen. In einer digitalen Welt verliert es damit zentrale monetäre Eigenschaften. Wenn Gold global skaliert wird, wird es institutionell – und dadurch wieder zu schwachem Geld.

Reflexion

Der Kernpunkt ist nicht Gold gegen Bitcoin, sondern Vertrauen gegen Verifizierbarkeit.

Schlussfolgerung

Der Podcast zeigt keine Feindschaft, sondern seltene Klarheit. Zwei freiheitlich orientierte Denker diagnostizieren dasselbe Problem, geben aber unterschiedliche Antworten.

Markus Krall fordert Stabilität als Eintrittsbedingung. Ohne stabile Kaufkraft kann Bitcoin kein Geld werden. Ohne Monetarisierung bliebe langfristig nur Spekulation.

Roman Reher akzeptiert die heutige Unreife, beobachtet aber einen Marktprozess. Stabilität ist nicht Ausgangspunkt, sondern Ergebnis der Monetarisierung über Liquidität, Verteilung, Markttiefe und Vertrauen in fixe Regeln. Bitcoin zwingt das Fiat-System in den Wettbewerb und löst zugleich ein Problem, das Gold in einer digitalen Welt nicht mehr überwinden kann. Verifizierbarkeit ersetzt Vertrauen.

Am Ende entscheidet nicht ein Podcast, sondern der Markt. Und vielleicht ist genau das der wichtigste Punkt. Währungswettbewerb ist kein theoretisches Ideal, sondern die einzige faire Methode, herauszufinden, welches Geld wirklich trägt. Wer recht behält, zeigt sich nicht in Debatten, sondern in der Fähigkeit einer Währung, der Zeit standzuhalten.

Der Markt wird entscheiden.

Podcast „Dezentral & Direkt“:

https://youtu.be/AkjNTLdNsHU?si=S34e8A11z7EXjeJq

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Kevin Quast

Il mio viaggio nel mondo di Bitcoin è iniziato nel 2020 durante una passeggiata invernale con un buon amico, che mi ha parlato con entusiasmo di Bitcoin e della sua visione. Da allora, questo tema non mi ha più lasciato!

https://www.bitcoin-locarno.ch
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