Die vier Jahreszeiten von Bitcoin – Marktpsychologie, Knappheit und der Übergang zu hartem Geld
Zusammenfassung
Bitcoin bewegt sich in wiederkehrenden Zyklen von etwa vier Jahren, die sich seit 2009 erstaunlich konsistent wiederholt haben. Jede Phase – Frühling, Sommer, Herbst und Winter – ist nicht nur durch Preisbewegungen gekennzeichnet, sondern durch ein klar erkennbares Stimmungsbild in den Massenmedien und in der Gesellschaft. Euphorie, Gleichgültigkeit, Skepsis und Panik erscheinen in einer fast lehrbuchartigen Abfolge.
Aktuell befinden wir uns strukturell im Winter des Zyklus. Nach der Euphoriephase von 2025 dominiert 2026 eine deutliche Korrektur. Die mediale Aufmerksamkeit ist kritischer geworden, viele Stimmen sprechen von Enttäuschung oder vom Ende der Dynamik. Genau in dieser Phase beginnt jedoch traditionell die strategische Neupositionierung langfristig denkender Marktteilnehmer. Während ein Großteil der Öffentlichkeit verunsichert reagiert, analysieren Investoren mit niedriger Zeitpräferenz die fundamentalen Daten, prüfen ihre Allokation und beginnen schrittweise erneut zu akkumulieren.
Diese Dynamik ist kein Zufall, sondern das Resultat eines monetären Designs, das auf absoluter Knappheit basiert. Während das heutige FIAT-Geldsystem durch flexible Geldmengenausweitung, Kreditexpansion und strukturelle Inflation geprägt ist, folgt Bitcoin einer unveränderlichen Emissionslogik. Die Zyklen sind Ausdruck eines freien Marktes, der sich um ein hartes Geld neu ordnet. Wer diese Struktur versteht, erkennt: Nicht der Preis steht im Zentrum, sondern das Zusammenspiel von Knappheit, Zeitpräferenz und kollektiver Psychologie.
Die zyklische Ordnung eines harten Geldes
Seit der Entstehung von Bitcoin im Jahr 2009 zeigt sich ein wiederkehrendes Muster. Nach jeder vollständigen Zyklusphase wurde bislang ein neues Allzeithoch erreicht. 2013, 2017, 2021, 2025 – und selbst in den aktuellen Diskussionen des Jahres 2026 taucht immer wieder derselbe Gedanke auf: Es sei zu spät.
Kurzfristig wirkt Bitcoin volatil und unberechenbar. Langfristig offenbart sich jedoch eine klare Struktur. Diese Struktur ist nicht das Ergebnis politischer Entscheidungen oder zentralbanklicher Eingriffe, sondern Teil des Protokolls selbst.
Die Österreichische Schule beschreibt, dass stabiles, hartes Geld langfristige Planung ermöglicht und Kapitalfehlallokationen reduziert. Weiches Geld hingegen – wie wir es im heutigen FIAT-System kennen – führt durch stetige Geldmengenausweitung zu künstlichen Boomphasen und unvermeidbaren Korrekturen. Der Bitcoin-Zyklus unterscheidet sich fundamental: Er entsteht nicht durch Kreditexpansion, sondern durch programmierte Verknappung.
Frühling – Skepsis, Gleichgültigkeit und leise Akkumulation
Der Frühling folgt auf einen harten Winter. Historisch waren dies die Jahre 2015, 2019 und 2023. Sollte sich das Muster wiederholen, könnte eine vergleichbare Phase erneut ab 2027 sichtbar werden.
Die Medienberichterstattung in dieser Phase ist verhalten oder desinteressiert. Bitcoin verschwindet aus den Schlagzeilen. Finanzmagazine widmen sich anderen Themen. Experten erklären, der Hype sei vorbei. Häufig dominieren Formulierungen wie „Ernüchterung“, „gescheitertes Experiment“ oder „Markt ohne Zukunft“.
Das öffentliche Interesse sinkt deutlich. Diskussionen werden ruhiger.
Gerade in dieser Atmosphäre beginnt die stille Akkumulation. Langfristig orientierte Marktteilnehmer erkennen, dass sich an der fundamentalen Knappheit nichts geändert hat. Die Emissionsrate bleibt begrenzt. Das Netzwerk funktioniert unverändert weiter.
Aus Sicht der Österreichischen Ökonomie ist dies eine Phase sinkender Zeitpräferenz. Geduld ersetzt Spekulation. Kapital wird aufgebaut, während Emotionen sich beruhigen.
Sommer – Wachsende Akzeptanz und konstruktiver Optimismus
Mit zeitlicher Verzögerung nach einem Halving beginnt der Sommer. Historisch waren dies 2016, 2020 und 2024.
Die Massenmedien verändern ihren Ton. Aus Skepsis wird vorsichtige Anerkennung. Überschriften lauten: „Bitcoin stabilisiert sich“, „Institutionelle Investoren steigen ein“, „Neue regulatorische Klarheit“.
Banken veröffentlichen Studien. Analysten beginnen, Bitcoin als Anlageklasse ernsthaft zu bewerten.
Ökonomisch betrachtet wirkt die Angebotsverknappung zunehmend. Das reduzierte Angebot trifft auf wachsende Nachfrage. Anders als im FIAT-System, wo Liquidität politisch gesteuert wird, reagiert der Markt hier auf reale Knappheit.
Herbst – Euphorie, mediale Überhitzung und kollektive Gier
Der Herbst ist die sichtbarste Phase des Zyklus. 2017, 2021 und 2025 waren von parabolischen Bewegungen geprägt.
Die Medien berichten täglich. Talkshows diskutieren Kursziele. Schlagzeilen werden spektakulär.
Neue Marktteilnehmer treten massenhaft ein. Viele handeln aus Angst, etwas zu verpassen. Fundamentale Analyse tritt in den Hintergrund.
Ein absolut knappes Gut, dessen Angebot sich weiter verlangsamt, trifft auf exponentiell steigende Nachfrage. Der Preis reagiert überproportional. Doch subjektive Erwartungen können Übertreibungen erzeugen.
Winter – Panik, Abgesänge und strategische Neuordnung
Nach der Überhitzung folgt der Winter. 2014, 2018, 2022 und nun 2026 zeigen vergleichbare Charakteristika.
Die mediale Stimmung kippt abrupt. Aus Begeisterung wird Skepsis, aus Optimismus wird Alarmismus. Schlagzeilen sprechen von „Crash“, von „geplatzter Blase“ oder vom „Ende der Geschichte“. Analysten überbieten sich mit negativen Szenarien. Talkshows diskutieren, ob das Narrativ endgültig gescheitert sei.
Doch betrachten wir die Zahlen nüchtern.
Vom Allzeithoch 2025 bei rund 126.000 US-Dollar fiel Bitcoin bis in den Bereich von 60.000 US-Dollar. Das entspricht einem Drawdown von etwa 52 Prozent. Ein signifikanter Rückgang – zweifellos. Doch im historischen Kontext relativiert sich diese Bewegung deutlich.
Nach dem Hoch von 2013 betrug der maximale Rückgang rund 94 Prozent.
Nach dem Hoch von 2017 etwa 87 Prozent.
Nach dem Hoch von 2021 rund 77 Prozent.
Die Korrekturen werden also zyklisch flacher. Mit zunehmender Marktreife, institutioneller Beteiligung und höherer Liquidität nimmt die extreme Volatilität relativ ab.
Rein rechnerisch würde ein Drawdown von 60 Prozent vom Hoch bei 126.000 US-Dollar ein Kursniveau von etwa 50.400 US-Dollar bedeuten.
Ein Rückgang um 67 Prozent entspräche rund 41.600 US-Dollar.
Die Zone um 60.000 US-Dollar hat bislang gehalten – mit einer temporären Erholung in den Bereich um 72.000 US-Dollar, bevor der Markt erneut nachgab. Das Momentum bleibt jedoch schwach. Der Fear-and-Greed-Index notiert nahe historischer Tiefstände. ETF-Abflüsse sind deutlich. Das Deleveraging verläuft geordnet, aber spürbar.
Und genau hier trennt sich kurzfristige Emotion von langfristiger Perspektive.
Im FIAT-System werden Krisen häufig mit expansiver Geldpolitik beantwortet. Regeln werden angepasst, Liquidität wird erhöht. Bei Bitcoin hingegen bleibt die monetäre Basis unverändert. Die Emissionskurve folgt weiterhin ihrem mathematischen Pfad. Die Knappheit wird nicht politisch verhandelt.
Der Winter ist daher keine Systemkrise, sondern eine Phase psychologischer Bereinigung.
Langfristig denkende Teilnehmer analysieren in dieser Phase nicht Schlagzeilen, sondern Strukturen. Sie prüfen Liquidität, Risikotoleranz und Zeitpräferenz. Sie akkumulieren nicht aus Euphorie, sondern aus Überzeugung – oftmals schrittweise, diszipliniert und ohne mediale Begleitung.
Ob die Zone um 60.000 US-Dollar das finale Tief markiert oder ob der Markt eine tiefere, historisch ebenfalls konsistente Korrektur zwischen 60 und 70 Prozent sucht, bleibt offen.
Doch strukturell befinden wir uns in einer Phase, die historisch wiederholt als Grundlage für den nächsten Zyklus diente.
Im Winter dominiert die Frage: Kapitulation oder Überzeugung?
Und genau in dieser Spannung entscheidet sich, wer langfristig vom Übergang zu einem harten Geldstandard profitiert.
Die strukturelle Ursache – Halving und monetäre Disziplin
Alle 210.000 Blöcke halbiert sich die Blockbelohnung. Von 50 Bitcoin im Jahr 2009 auf 3,125 im Jahr 2024. 2028 wird sie weiter sinken.
Über 95 Prozent aller Bitcoin sind bereits geschürft. Die monetäre Inflation liegt nahe einem Prozent und sinkt weiter.
Im FIAT-System existiert keine vergleichbare Begrenzung. Geldmengen können je nach wirtschaftlicher oder politischer Lage ausgeweitet werden.
Bitcoin folgt hingegen einer strikten monetären Disziplin. Diese Disziplin ist die Grundlage der zyklischen Dynamik.
Hartes Geld im historischen Kontext
Gold war über Jahrhunderte hartes Geld. Bitcoin überträgt dieses Prinzip in digitale Form – mit absoluter Obergrenze.
Weiches Geld verliert Kaufkraft. Hartes Geld fördert Sparen und langfristige Planung.
Die vier Jahreszeiten von Bitcoin sind daher Ausdruck eines monetären Übergangs. Ein neues hartes Geld etabliert sich Schritt für Schritt im globalen Finanzsystem.
Langfristige Perspektive statt kurzfristiger Emotion
Wer nur den Tagespreis betrachtet, erlebt Volatilität als Stress. Wer die Struktur erkennt, gewinnt Gelassenheit.
Der Frühling baut auf.
Der Sommer bestätigt.
Der Herbst übertreibt.
Der Winter reinigt.
Der Zyklus wiederholt sich, weil die Regeln unverändert bleiben. Und genau diese Unveränderlichkeit ist die tiefste Stärke eines harten Geldes in einer Welt weicher Währungen.
Fazit – Struktur schlägt Emotion
Bitcoin ist kein Zufallsprodukt, kein kurzfristiger Trend und kein spekulatives Randphänomen. Die wiederkehrenden Jahreszeiten sind Ausdruck eines monetären Designs, das auf Knappheit, Vorhersehbarkeit und Unveränderlichkeit basiert.
Im FIAT-System erzeugt flexible Geldpolitik künstliche Zyklen aus Expansion und Kontraktion. Bei Bitcoin hingegen entsteht der Zyklus aus mathematisch definierter Angebotsreduktion und menschlicher Psychologie. Das Fundament bleibt konstant – nur die Wahrnehmung schwankt.
Wer den Winter nur als Krise interpretiert, sieht den Preis.
Wer ihn als strukturelle Phase versteht, erkennt die Ordnung dahinter.
Langfristig entscheidet nicht die Emotion des Moments, sondern das Verständnis der monetären Architektur. Und genau dieses Verständnis ist der Schlüssel, um den Übergang von weichem zu hartem Geld nicht nur zu beobachten, sondern bewusst zu gestalten.
