Der starke Franken ist kein hartes Geld – Die SNB & die Bitcoin-Initiative
Zusammenfassung
Warum das vermeintlich härteste FIAT-Geld der Welt strukturell weich bleibt – und was das für Schweizer Sparer und Unternehmen bedeutet.
Der Schweizer Franken gilt international als Inbegriff stabilen Geldes. Niedrige Inflation, konservative Geldpolitik, politische Stabilität – der Franken hat einen Ruf, den kaum eine andere Währung der Welt besitzt. Doch wer hinter die Fassade schaut, stellt fest: Auch der Franken ist FIAT-Geld. Auch er kann politisch ausgeweitet werden. Auch er verliert langfristig an Kaufkraft.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält offiziell keine Bitcoin.
Gleichzeitig beginnen die USA, El Salvador, Bhutan und zunehmend weitere Staaten, strategische Positionen aufzubauen. Eine Volksinitiative fordert die SNB zur Aufnahme von Bitcoin in die Währungsreserven auf. Das Initiativkomitee sammelt bis Ende Juni 2026 Unterschriften. Der SNB-Präsident lehnt ab.
Diese Ausgangslage wirft eine grundlegende Frage auf: Was ist eigentlich hartes Geld? Und warum ist der Franken – trotz allem – nicht die Antwort darauf.
Der Franken im internationalen Vergleich: relativ hart, absolut weich
Im Vergleich zum Euro oder zum US-Dollar hat der Schweizer Franken zweifellos besser abgeschnitten. Während der Euro seit seiner Einführung 1999 rund 43 bis 46 Prozent und der US-Dollar im gleichen Zeitraum rund 35 bis 40 Prozent seiner Kaufkraft verloren hat, liegt der Kaufkraftverlust des Frankens – gemessen an der offiziellen Teuerung – deutlich tiefer und beträgt rund 25 bis 30 Prozent. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer konservativeren Geldpolitik, niedrigerer Staatsschulden und der strukturellen Unabhängigkeit der SNB.
Doch dieser Vergleich ist ein Vergleich unter Kranken. Wer besser abschneidet als Euro, Yen und Pfund, hat damit noch nicht bewiesen, hartes Geld zu sein. Er hat lediglich bewiesen, ein besseres weiches Geld zu sein.
Die SNB kann die Geldmenge ausweiten. Sie hat es in der Vergangenheit getan – insbesondere nach der Finanzkrise 2008 und erneut während der COVID-Krise. Sie kann Negativzinsen einführen. Sie kann Devisenmärkte beeinflussen, um den Frankenkurs zu schwächen, wenn er der Exportwirtschaft zu stark wird. Zuletzt beliess die SNB im März 2026 den Leitzins bei 0 Prozent – und signalisierte gleichzeitig Bereitschaft zu Devisenmarktinterventionen, um eine weitere Aufwertung des Frankens zu bremsen.
Mit anderen Worten: Die SNB interveniert aktiv im Markt, um die Stärke des Frankens zu dämpfen. Das ist das Gegenteil von hartem Geld.
Was die SNB wirklich hält – und was sie ablehnt
Die SNB verwaltet Währungsreserven in der Grössenordnung von nahezu einer Billion Franken. Diese bestehen zum grössten Teil aus Fremdwährungen – insbesondere Euro und US-Dollar – sowie einem bedeutenden Goldanteil. Allein durch die Neubewertung dieses Goldbestands resultierte 2025 ein Buchgewinn von rund 36 Milliarden Franken.
Bitcoin hält die SNB nicht direkt. Indirekt jedoch – über Aktienpositionen in Strategy (ehemals MicroStrategy), Tesla und anderen Unternehmen mit Bitcoin in der Bilanz – ist die SNB nach Schätzungen für rund 1.000 Bitcoin exponiert. Eine marginale Grösse im Vergleich zu den Gesamtreserven, aber eine symbolisch bedeutsame Tatsache.
SNB-Präsident Martin Schlegel lehnte Bitcoin als Reservewährung zuletzt an der Generalversammlung 2025 erneut ab. Seine Begründung: Kryptowährungen erfüllten die Anforderungen an Währungsreserven nicht – insbesondere aufgrund von Liquiditäts- und Volatilitätsrisiken in Krisenzeiten.
Das ist eine nachvollziehbare institutionelle Position. Doch sie beantwortet nicht die eigentliche Frage: Ob Bitcoin die Kriterien der SNB erfüllt, ist eine Frage der Definition. Und Definitionen können geändert werden – wie die Geschichte der Geldpolitik zeigt.
Die Bitcoin-Initiative: Eine strukturelle Debatte, keine technische
Seit Dezember 2024 läuft eine Volksinitiative, die die Schweizerische Bundesverfassung ändern soll: Die SNB soll neben Gold auch Bitcoin als Teil ihrer Währungsreserven halten. Ein Passus im dritten Absatz von Artikel 99 würde entsprechend ergänzt. Das Initiativkomitee um den Westschweizer Internetpionier Yves Bennaïm muss bis Ende Juni 2026 100.000 Unterschriften sammeln.
Die Initiative hat nicht primär das Ziel, sofort Wirkung zu entfalten. Sie will eine Debatte anstossen. Und diese Debatte ist längst überfällig: Was soll hartes Geld in einer multipolaren Weltordnung bedeuten? Reicht Gold allein als Absicherung? Wäre eine kleine Bitcoin-Allokation – etwa 1 bis 2 Prozent der Reserven – eine sinnvolle Diversifikation?
Luzius Meisser, Vorstandsmitglied bei Bitcoin Suisse und langjähriger Aktionärsaktivisitst an SNB-Generalversammlungen, argumentiert: Eine 1-Prozent-Allokation in Bitcoin hätte die Rendite der SNB-Reserven in der Vergangenheit erheblich verbessert – bei minimaler Erhöhung der Portfoliovolatilität. Das sei rechnerisch belegbar.
Die Gegenfrage der SNB: Was, wenn Bitcoin in einer Krise illiquide wird? Was, wenn er regulatorisch eingeschränkt wird? Was, wenn der Preis kollabiert, genau wenn man ihn braucht?
Diese Fragen sind legitim. Sie zeigen aber auch, dass die Debatte nicht technisch, sondern monetär und ordnungspolitisch ist. Es geht darum, welche Eigenschaften von Geld in der Zukunft entscheidend sein werden.
Weitere Informationen zur Bitcoin-Initiative und zur laufenden Unterschriftensammlung finden Sie unter: initiativebtc.ch
Weiches Geld und seine Konsequenzen für Schweizer Sparer
Der Franken mag relativ hart sein. Aber er ist nicht immun gegen das Grundprinzip aller FIAT-Währungen: langfristiger Kaufkraftverlust durch Geldmengenausweitung und strukturelle Inflation.
Schweizer Sparer auf klassischen Sparkonten sind seit Jahren konfrontiert mit Realzinsen im negativen Bereich. Per Mitte 2025 lag der SNB-Leitzins bei 0 Prozent, während die Inflation positiv blieb. Das bedeutet: Wer Franken auf dem Konto hält, verliert real Kaufkraft – auch wenn die Nominalsumme stabil aussieht. Ein Finanzprofessor der Universität Zürich schätzte die jährlichen Kaufkraftverluste auf Schweizer Sparkonten auf rund 10 Milliarden Franken.
Für Unternehmen stellt sich dieselbe Frage: Wer erfolgreiche Jahre hinter sich hat und Rücklagen aufgebaut hat, sieht diese Rücklagen real schrumpfen – Monat für Monat, Jahr für Jahr. Nicht durch Fehler im eigenen Geschäft, sondern durch die strukturelle Logik des Geldsystems.
Das ist kein Schweizer Spezialphänomen. Es ist das systemische Ergebnis von FIAT-Geld – auch in seiner stabilsten Form.
Bitcoin: Kein politisches Geld
Was Bitcoin grundlegend unterscheidet, ist nicht seine Rendite der vergangenen Jahre. Es ist seine monetäre Struktur.
Bitcoin hat eine fixe Geldmenge von 21 Millionen Einheiten. Kein Zentralbankpräsident kann sie ausweiten. Kein politischer Druck kann die Emissionskurve verändern. Kein Krisenszenario erfordert eine Notenbankintervention. Die Knappheit ist mathematisch fixiert und für jeden überprüfbar.
Genau das ist hartes Geld im Sinne der Österreichischen Schule: Geld, das sich der politischen Manipulation entzieht. Geld, das Sparer nicht bestraft. Geld, das keine Institution braucht, um seinen Wert zu erhalten.
Heute befinden sich bereits über 20 Millionen der maximal 21 Millionen Bitcoin im Umlauf – mehr als 95 Prozent. Die jährliche Neuemissionsrate liegt bei etwa 1 Prozent und wird sich nach dem nächsten Halving 2028 auf rund 0,4 Prozent halbieren. Damit liegt die Inflationsrate von Bitcoin bereits heute unter der historischen Förderrate von Gold.
Das sind keine Spekulationen über die Zukunft. Das sind mathematisch feststehende Fakten des Protokolls.
Was bedeutet das für Schweizer Privatpersonen und KMU?
Der Franken bleibt das stabilste FIAT-Geld, das aktuell verfügbar ist. Das ist ein realer Vorteil für Menschen und Unternehmen in der Schweiz. Wer international tätig ist, weiss, was es bedeutet, in einer weichen Währung zu rechnen.
Aber Stabilität im FIAT-System ist nicht dasselbe wie Werterhalt. Wer langfristig denkt – über Jahrzehnte, über Generationengrenzen hinaus –, stellt fest, dass auch der Franken strukturell an Kaufkraft verliert. Nicht dramatisch. Aber stetig. Und zusammengesetzt über Zeit: erheblich.
Bitcoin ist kein Ersatz für den Franken im operativen Alltag. Er ist kein Spekulationsinstrument für schnelle Gewinne. Er ist eine monetäre Reserve ausserhalb des FIAT-Systems – eine Möglichkeit, einen Teil des erarbeiteten Kapitals in einem Gut zu halten, dessen Knappheit nicht verhandelbar ist.
Die SNB lehnt Bitcoin ab. Andere Staaten und Institutionen weltweit tun das nicht mehr. Diese Divergenz ist nicht nur eine politische Beobachtung. Sie ist ein Signal.
Wählen Sie Ihren nächsten Schritt mit Bitcoin Locarno
Möchten Sie Ihr Wissen vertiefen? Mit unseren Coachings erhalten Sie eine unabhängige und fundierte Begleitung.
Suchen Sie verlässliche Tools? In unserem Shop finden Sie sorgfältig ausgewählte Wallets, Bücher und Zubehör.
Möchten Sie mit dem Bitcoin Kauf beginnen? Wir bieten sichere Lösungen, um Bitcoin strukturiert zu erwerben.
Möchten Sie informiert bleiben? Abonnieren Sie unseren Newsletter.
Unterstützen Sie die Bitcoin-Bildung in der Region Locarno
Bitcoin Locarno fördert das Verständnis von Bitcoin durch Bildungsinhalte, monatliche Treffen und Aufklärungsarbeit. Mit Ihrem Beitrag unterstützen Sie die Bitcoin-Bildung in Locarno und der Region und helfen dabei, eine informierte und bewusste Gemeinschaft aufzubauen.
⚡ Unterstützen Sie das Projekt mit Bitcoin
