„Bitcoin hat keinen intrinsischen Wert“ – Der Denkfehler hinter der Kritik

Zusammenfassung

Die Behauptung, Bitcoin habe keinen intrinsischen Wert, wird oft als endgültiges Argument gegen seine monetäre Bedeutung vorgebracht. Dahinter steht die Annahme, nur physisch greifbare Güter wie Gold oder Rohstoffe besäßen einen „echten“, inneren Wert. Alles Digitale erscheine dagegen beliebig und spekulativ. Doch diese Argumentation verkennt ein fundamentales Prinzip der Österreichischen Schule: Intrinsischer Wert existiert ökonomisch nicht. Weder Gold noch Wasser noch Papiergeld tragen Wert in sich wie eine chemische Eigenschaft. Wert entsteht aus subjektiver Bewertung, aus Knappheit, aus Kontext und aus gesellschaftlicher Akzeptanz.

Historische Beispiele wie die DDR zeigen, dass selbst alltägliche Konsumgüter temporär monetäre Funktionen übernehmen können, wenn offizielles Geld seine Rolle nicht erfüllt. Geld ist kein staatliches Dekret, sondern ein sozialer Prozess. Bitcoin steht in dieser Tradition monetärer Evolution. Er ist nicht durch Materie gedeckt, sondern durch überprüfbare Knappheit, Energieeinsatz und ein offenes Regelwerk. Wer „intrinsischen Wert“ fordert, verlangt etwas, das es im ökonomischen Sinne nie gegeben hat. Entscheidend ist nicht Substanz, sondern Funktion, nicht Glanz, sondern Akzeptanz unter Bedingungen von Knappheit und Freiheit.

Wert ist kein Stoff, sondern eine Beziehung

Das Missverständnis beginnt mit einem scheinbar einleuchtenden Satz: „Ohne intrinsischen Wert kann etwas kein Geld sein.“ Die Österreichische Schule kehrt diese Annahme um. Kein Gut trägt Wert wie ein Etikett in sich. Wert entsteht im Urteil des Handelnden. Nicht Dinge haben Wert, Menschen bewerten sie.

Das klassische Beispiel ist Wasser. In Nordeuropa ist Wasser im Überfluss vorhanden. Der Grenznutzen einer zusätzlichen Einheit ist gering. Man konsumiert es selbstverständlich. In der Wüste dagegen kann dieselbe Menge Wasser über Leben und Tod entscheiden. Das identische Gut erhält einen radikal anderen Preis. Das gleiche Objekt, zwei Kontexte, zwei Bewertungen.

Der Diamant illustriert die Kehrseite. Solange elementare Bedürfnisse gedeckt sind, erscheint er wertvoll. Bei akutem Durst verliert er jede Priorität. Wert ist kontextabhängig, subjektiv und immer an Knappheit gekoppelt. Der Begriff des intrinsischen Wertes ist daher kein ökonomischer, sondern ein metaphysischer.

Warum in der Geschichte „alles“ zu Geld werden konnte

Wenn Menschen tauschen, suchen sie nicht nach Schönheit oder moralischer Qualität, sondern nach Liquidität. Sie bevorzugen das Gut, das sich am leichtesten weitergeben lässt. In stabilen Zeiten übernimmt staatliches Geld diese Rolle. In instabilen Zeiten verschiebt sich die Realität.

In der DDR war die Ostmark offiziell allgegenwärtig. Löhne wurden in ihr bezahlt, Preise staatlich festgelegt. Doch viele Waren waren knapp oder nicht verfügbar. Formal existierte Geld. Praktisch fehlten Güter. Wenn Geld seine Tauschfunktion verliert, sucht der Markt nach Alternativen.

Baumaterialien wie Fliesen, Zement oder Sanitärartikel waren begehrt und schwer zu bekommen. Sie wurden informell getauscht. Kaffee, insbesondere während der Kaffeekrise der 1970er Jahre, entwickelte faktisch monetäre Eigenschaften. West-Zigaretten wie Marlboro waren teilbar, haltbar und gesellschaftlich anerkannt – ideale Tauschmittel. Auch West-Jeans oder bestimmte Ersatzteile besaßen informellen Wert.

Diese Güter waren kein offizielles Geld. Doch sie erfüllten zeitweise monetäre Funktionen. Knappheit plus Akzeptanz machte sie liquid. Die Ostmark war nicht abgeschafft – sie war nur nicht ausreichend funktional.

Geld ist ein Prozess, kein Dekret

Carl Menger beschrieb Geld als Ergebnis eines evolutionären Marktprozesses. Ein Gut wird nicht Geld, weil es dazu erklärt wird, sondern weil es zunehmend als Tauschmittel akzeptiert wird. Der Staat kann Einheiten drucken und Regeln setzen. Doch ob etwas Geld ist, entscheidet der Alltag.

In stabilen Systemen decken sich staatliche Definition und Marktrealität. In instabilen Systemen können sie auseinanderfallen. Dann zeigt sich, dass Geld keine rein politische Konstruktion ist, sondern eine soziale Institution.

Bitcoin: nicht „gedeckt“, sondern erarbeitet und überprüfbar

Bitcoin ist nicht durch Gold oder einen Rohstoff gedeckt. Doch auch FIAT-Geld ist nicht mehr gegen physische Werte eintauschbar. Es basiert auf Vertrauen in Institutionen. Bitcoin unterscheidet sich hier fundamental.

Neue Einheiten entstehen durch Energieeinsatz, Hardware, Know-how und Wettbewerb im Mining. Bitcoin wird nicht beschlossen, sondern erarbeitet. Seine Geldmenge ist auf 21 Millionen Einheiten begrenzt. Diese Begrenzung ist öffentlich einsehbar, mathematisch fixiert und von jedem überprüfbar.

Bei FIAT müssen Bürger darauf vertrauen, dass Zentralbanken maßvoll agieren. Bei Bitcoin kann jeder selbst prüfen. Es ist ein System, das Misstrauen zulässt, weil Transparenz Kontrolle ersetzt. Seine Knappheit ist nicht politisch, sondern protokollarisch.

„Kann auf Null fallen“ gilt für alles – aber Märkte bewerten Dauer

Das Argument, Bitcoin könne auf Null fallen, ist formal korrekt. Doch dasselbe gilt für Aktien, Immobilien oder selbst staatliche Währungen. Die relevante Frage lautet nicht, ob ein Extrem möglich ist, sondern wie robust ein System über Zeit ist.

Bitcoin existiert seit Januar 2009. In siebzehn Jahren hat er Verbote, Börsenpleiten, regulatorische Eingriffe und extreme Volatilität überstanden, während das Protokoll unverändert weiterlief. Märkte bewerten Dauer und Resilienz.

Auch der Vergleich mit Gold ist aufschlussreich. Bitcoin erreicht inzwischen einen messbaren Bruchteil der Marktkapitalisierung eines seit Jahrtausenden etablierten monetären Gutes. Das ist kein endgültiger Beweis, aber ein Indiz für zunehmende Akzeptanz.

Akzeptanz ist nicht nur Preis, sondern Freiheit unter Bedingungen

Der Vorwurf eines Ponzi-Schemas verkennt die Struktur von Bitcoin. Ein Ponzi-Modell verspricht Renditen und erfordert eine zentrale Instanz. Bitcoin verspricht nichts. Er bietet ein Regelwerk.

Transaktionen sind nicht selektiv widerrufbar. Besitz ist nicht an eine Bankbeziehung gebunden. In einer Welt, in der Debanking real existiert und Konten eingefroren werden können, erhält diese Eigenschaft neue Relevanz. Geld ist nicht nur ein Wertmaßstab, sondern ein Zugangsrecht.

Bitcoin verschiebt diese Machtbalance. Besitz und Transfer sind nicht von institutioneller Erlaubnis abhängig. Global betrachtet wird dies noch deutlicher: Millionen Menschen besitzen kein Bankkonto, aber ein Smartphone. Für sie ist Bitcoin kein ideologisches Projekt, sondern funktionaler Zugang zu digitalem Werttransfer.

Preisbildung und Marktmechanismus

Natürlich existieren Spekulation und Marktmanipulation. Doch das gilt für jeden offenen Markt. Der Preis von Bitcoin entsteht aus globalem Angebot und Nachfrage, rund um die Uhr.

Volatilität ist kein moralischer Makel, sondern Ausdruck eines jungen monetären Gutes im Entstehungsprozess. Märkte testen neue Güter durch Schwankung. Stabilität ist das Resultat langfristiger Akzeptanz, nicht deren Voraussetzung.

Fazit

Die Forderung nach intrinsischem Wert wirkt intuitiv, ist jedoch ökonomisch unhaltbar. Kein Gut besitzt einen objektiven inneren Wert. Wert entsteht durch subjektive Bewertung, Knappheit und Akzeptanz.

Die Geschichte der DDR zeigt, dass selbst Fliesen oder Kaffee temporär monetäre Funktionen übernehmen können, wenn offizielles Geld seine Rolle nicht erfüllt. Geld ist ein sozialer Prozess.

Bitcoin steht in dieser Tradition. Er ist nicht durch Materie gedeckt, sondern durch überprüfbare Knappheit, Energieeinsatz und ein offenes Protokoll. Seine Existenz zwingt uns, die Grundlagen von Geld neu zu denken. Entscheidend ist nicht, ob etwas glänzt oder greifbar ist. Entscheidend ist, ob es unter Bedingungen von Knappheit, Vertrauen und Freiheit als Tauschmittel akzeptiert wird.

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Kevin Quast

Il mio viaggio nel mondo di Bitcoin è iniziato nel 2020 durante una passeggiata invernale con un buon amico, che mi ha parlato con entusiasmo di Bitcoin e della sua visione. Da allora, questo tema non mi ha più lasciato!

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