Ausweitung der Geldmenge in den USA: Bessent erhöht die Anleihen-Rückkäufe binnen drei Wochen
Zusammenfassung
6 Milliarden Dollar statt ursprünglich 2 Milliarden: Innerhalb von drei Wochen hat US-Finanzminister Scott Bessent den Rückkauf langlaufender Staatsanleihen zweimal aufgestockt. Am 19. August verdoppelte das Finanzministerium überraschend das Volumen seiner Liquiditäts-Rückkäufe im 10- bis 30-Jahres-Bereich. Am 9. September folgte die erste Operation zum neuen Satz, bereits mit einem Volumen von bis zu 6 Milliarden Dollar. Gleichzeitig meldet die US-Notenbank Fed eine Geldmenge M2 auf Rekordniveau von rund 23,2 Billionen Dollar, mit der schnellsten Wachstumsrate seit 2022.
Für Bessent geht es offiziell um Marktliquidität: Die Renditen 30-jähriger US-Anleihen erreichten zuletzt Niveaus, die seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr gesehen wurden. Kritiker sehen darin jedoch mehr als reine Marktpflege, sondern den Versuch, Zinskosten künstlich zu drücken, während der Bund allein in zehn Monaten 963 Milliarden Dollar an Nettozinsen zahlte.
Was technisch eine reine Fälligkeitsumschichtung ist, trifft auf eine ohnehin wachsende Geldmenge und eine Fed, die ihre Bilanzverkürzung im Dezember 2025 beendet hat. Was das für die Kaufkraft des Dollars bedeutet und warum Bitcoin auf diese Gemengelage bisher uneinheitlich reagiert – lesen Sie im vollständigen Artikel.
Zwei Aufstockungen in drei Wochen
Am Mittwoch, dem 19. August 2026, kündigte das US-Finanzministerium an, das maximale Volumen seiner sogenannten Liquiditäts-Rückkäufe für langlaufende Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln. Betroffen sind Anleihen im Laufzeitbereich von 10 bis 20 sowie 20 bis 30 Jahren. Die bisherige Obergrenze von 2 Milliarden Dollar pro Operation wurde auf mindestens 4 Milliarden Dollar angehoben, gültig ab dem 9. September bis zum Ende des laufenden Refinanzierungsquartals am 4. November 2026. Bereits am Tag danach legte Finanzminister Scott Bessent in einem Fernsehinterview nach und liess offen, dass die tatsächlichen Volumina noch darüber liegen könnten. Bessent kündigte an, in den langlaufenden Papieren, deren Liquidität er als schwach bezeichnete, "einen Markt zu machen".
Die erste tatsächliche Operation zum neuen Satz fand am 9. September statt und bestätigte diese Ankündigung: Das Finanzministerium kaufte für bis zu 6 Milliarden Dollar 10-jährige Notes und 20-jährige Bonds zurück, deutlich über der zwei Wochen zuvor kommunizierten Untergrenze von 4 Milliarden. Damit hat sich das Volumen einer einzelnen Rückkauf-Operation innerhalb von drei Wochen verdreifacht.
Wie eine Rückkauf-Operation technisch funktioniert
Ein Treasury-Buyback ist keine Schuldentilgung im eigentlichen Sinn. Das Finanzministerium kauft ältere, langlaufende Anleihen mit hohem Kupon am Markt zurück und finanziert diesen Kauf, indem es an anderer Stelle neue Schulden aufnimmt – ganz überwiegend über kurzlaufende T-Bills. Es handelt sich also um eine Umschichtung der Fälligkeitsstruktur, nicht um eine Reduktion der Gesamtverschuldung. Ökonom Peter Boockvar brachte es nach der ersten Ankündigung auf den Punkt: Es sei "keine Schuldentilgung, sondern lediglich eine Umschichtung der Fälligkeitsstruktur". Für die Finanzierung dieser Operationen kann das Finanzministerium auch auf sein Treasury General Account zugreifen, das nach Angaben von Regierungsvertretern zuletzt auf rund 950 Milliarden Dollar angewachsen war – nahezu eine Billion Dollar an Feuerkraft, die für Rückkäufe mobilisiert werden könnte.
Warum der Schritt jetzt kommt
Der unmittelbare Auslöser war ein sichtbarer Käuferstreik am langen Ende der Zinskurve, der seit Ende Juni zu beobachten war. Die Rendite 30-jähriger Anleihen kletterte zeitweise auf ihr höchstes Niveau seit 2007, die 10-jährige Rendite bewegte sich um 4,6 bis 4,7 Prozent. Gleichzeitig konkurriert der Staat um Nachfrage mit einer Welle von Unternehmensanleihen, unter anderem zur Finanzierung von KI-Infrastruktur. Im Hintergrund steht ein strukturelles Problem: Der Bund zahlte laut Angaben des Congressional Budget Office allein in den ersten zehn Monaten des Haushaltsjahres 2026 rund 963 Milliarden Dollar an Nettozinsen, das entspricht etwa 15 Prozent der gesamten Bundesausgaben. Je stärker die Schuldenlast in Richtung kurzer Laufzeiten verschoben wird, desto empfindlicher reagieren diese Zinskosten künftig auf jede Zinsbewegung der Notenbank.
Die Fed hat aufgehört, in die andere Richtung zu wirken
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt aus einem weiteren Grund: Die US-Notenbank hatte ihre eigene Bilanzverkürzung, die sogenannte quantitative Straffung, bereits am 1. Dezember 2025 offiziell beendet. Die Fed-Bilanz war seit ihrem Höchststand von rund 8,9 Billionen Dollar im Jahr 2022 auf etwa 6,3 bis 6,7 Billionen Dollar gesunken, verbleibt damit aber weit über dem Vorkrisenniveau von rund 4,2 Billionen Dollar. Während die Notenbank ihre Wertpapierbestände also nicht mehr aktiv reduziert, springt nun das Finanzministerium mit eigenen Anleihekäufen in die Bresche, um die langen Zinsen zu drücken. Aus Sicht der Österreichischen Schule ist diese Konstellation aufschlussreicher als die Buyback-Zahlen allein: Wenn zwei staatliche Akteure – Notenbank und Finanzministerium – gleichzeitig aufhören, restriktiv auf den Anleihenmarkt zu wirken, verschiebt sich das monetäre Umfeld in Richtung Expansion, unabhängig davon, ob man dies formal als "Gelddrucken" bezeichnet.
Die Geldmenge wächst tatsächlich
Parallel zu diesen fiskalischen Manövern meldete die Fed für die Geldmenge M2 einen neuen Rekordstand von rund 23,2 bis 23,3 Billionen Dollar mit Stand Sommer 2026. Die Jahreswachstumsrate lag zuletzt bei etwa 5,6 Prozent, dem schnellsten Tempo seit Juli 2022. Das Mises Institute, ein der Österreichischen Schule nahestehender Think Tank, verwendet zusätzlich die sogenannte "True Money Supply" (TMS) nach Rothbard und Salerno als Ergänzung zu M2 und kommt für 2026 ebenfalls auf eine Beschleunigung des Geldmengenwachstums auf ein mehrjähriges Hoch. Wichtig für die Einordnung: Ein Teil dieses Wachstums ist schlicht die Rückkehr zu einem langfristigen Trend nach der Geldmengenkontraktion 2022 und 2023, der stärksten seit der Grossen Depression. Nicht jede Zunahme der Geldmenge ist automatisch mit der Corona-Expansion 2020/2021 gleichzusetzen, aber die Richtung ist eindeutig: Nach zwei Jahren Kontraktion wächst die Geldmenge wieder, und zwar beschleunigt.
Was das für harte Vermögenswerte bedeutet – und was nicht
Ein Blick auf die letzten zwanzig Jahre zeigt das Ausmass konkreter, als es die reine Rekordmeldung vermuten lässt: Seit 2006 hat sich die Geldmenge M2 gut verdreifacht, der Goldpreis im selben Zeitraum aber fast versiebenfacht. Beide Kurven laufen bis etwa 2018 noch relativ nah beieinander, seit 2023/24 öffnet sich die Schere deutlich – Gold wächst seither erheblich schneller als die Geldmenge selbst, die diesen Anstieg allein nicht erklärt.
Die klassische Österreichische Argumentation lautet: Wächst die Geldmenge schneller als die reale Wirtschaftsleistung, sinkt langfristig die Kaufkraft der Währungseinheit, unabhängig vom Zeitpunkt der Preisanpassung an den Konsumgütermärkten. Der langfristige Vorsprung des Goldpreises vor der Geldmenge deutet darauf hin, dass noch weitere Faktoren wirken, allen voran die Nachfrage der Zentralbanken selbst: Sie kauften 2022 bis 2024 jährlich mehr als 1'000 Tonnen Gold, ein Tempo, das sich auch 2026 fortsetzt. Bitcoin wird in diesem Rahmen häufig als digitales Pendant zu Gold beschrieben, mit dem Unterschied einer fixen, programmatisch begrenzten Angebotsmenge von 21 Millionen Einheiten.
Redlicherweise muss an dieser Stelle aber auch das Gegenargument stehen: Die Grafik oben zeigt diese Diskrepanz nur für Gold. Bei Bitcoin, das nach der gleichen Debasement-Logik eigentlich ähnlich reagieren sollte, zeigt sich derzeit das Gegenteil: Trotz Rekord-Geldmenge und expansiverer Fiskalpolitik notiert Bitcoin am 11. September 2026 bei rund 77'000 Dollar und damit etwa 39 Prozent unter seinem bisherigen Allzeithoch von 126'277 Dollar aus dem Oktober 2025. Die Debasement-These mag langfristig zutreffen, sie liefert aber offensichtlich keine verlässliche Kurzfrist-Prognose, und sie wirkt bei den beiden "harten" Vermögenswerten derzeit unterschiedlich schnell. Kurzfristig bewegen Inflationsdaten, Zinserwartungen und Liquiditätsströme den Bitcoin-Preis stärker als die Geldmengenstatistik. Niemand weiss, ob die aktuelle Korrektur bereits ihren Boden gefunden hat.
Gegenargument: Wie viel Wirkung hat Bessent wirklich?
Auch die Wirksamkeit der Rückkäufe selbst ist unter Ökonomen umstritten. Krishna Guha von Evercore ISI bezeichnete die grösser angelegte Operation als eine "schwache Form eines Operation Twist", die für sich genommen kaum nachhaltige Wirkung entfalten dürfte und sogar kontraproduktiv sein könnte, sollte sie als Eingeständnis von Finanzierungsproblemen interpretiert werden. Tatsächlich verpufften die renditesenkenden Effekte nach der ersten Ankündigung binnen Stunden wieder. Auch strukturell bleibt eine Unschärfe: Eine Fälligkeitsumschichtung von langen in kurze Laufzeiten ist etwas anderes als eine Ausweitung der Geldbasis durch die Notenbank. Wer Bessents Rückkäufe undifferenziert mit "Gelddrucken" gleichsetzt, vereinfacht einen technischen Vorgang, der in erster Linie die Zinskostenstruktur des Staates verändert, nicht dessen Gesamtverschuldung.
Fazit
Bessent hat innerhalb von drei Wochen zweimal nachgelegt, und die Fed hat ihre eigene Bremse bereits im Dezember 2025 gelöst. Ob man das nun "Gelddrucken", "Fälligkeitsmanagement" oder schlicht Marktpflege nennt: Das monetäre Umfeld in den USA bewegt sich unübersehbar in Richtung Expansion, während die Zinskosten des Staates gleichzeitig zu einer der grössten Ausgabenpositionen im Bundeshaushalt geworden sind. Wer diese Entwicklung ignoriert, wird von ihr nicht verschont – wer sie überschätzt, verwechselt einen technischen Vorgang mit einer einfachen Kaufkraft-Prognose für harte Vermögenswerte.
Bitcoin Locarno begleitet Privatpersonen und KMU in der Region Tessin beim strukturierten und informierten Einstieg in Bitcoin. Unabhängig, ohne Eigeninteresse, auf Augenhöhe.
Wählen Sie Ihren nächsten Schritt mit Bitcoin Locarno
Möchten Sie Ihr Wissen vertiefen?
Mit unseren Coachings erhalten Sie eine unabhängige und fundierte Begleitung.
Suchen Sie verlässliche Tools?
In unserem Shop finden Sie sorgfältig ausgewählte Wallets, Bücher und Zubehör.
Möchten Sie mit dem Bitcoin Kauf beginnen?
Wir bieten sichere Lösungen, um Bitcoin strukturiert zu erwerben.
Möchten Sie informiert bleiben? Abonnieren Sie unseren Newsletter.
Unterstützen Sie die Bitcoin-Bildung
Bitcoin Locarno fördert das Verständnis von Bitcoin durch Bildungsinhalte, monatliche Treffen und Aufklärungsarbeit. Mit Ihrem Beitrag unterstützen Sie die Bitcoin-Bildung und helfen dabei, eine informierte und bewusste Gemeinschaft aufzubauen.
⚡ Unterstützen Sie das Projekt mit Bitcoin
https://checkout.opennode.com/p/f2b504f9-26eb-4b22-b312-99a2edfe8664
