5,3 Billionen Dollar: Was passiert, wenn Wall Street ihre eigenen Bitcoin-Empfehlungen befolgt?

Zusammenfassung

Nur rund 4 Prozent der Weltbevölkerung besitzen Bitcoin. Bei US-amerikanischen Anlageberatern, die zusammen etwa 146 Billionen Dollar verwalten, liegt die durchschnittliche Bitcoin-Allokation bei gerade einmal 0,008 Prozent. Genau auf dieser Diskrepanz baut eine neue Analyse des Bitcoin-Finanzdienstleisters River auf, die zeigt, was passiert, wenn sich diese Zahl auch nur graduell normalisiert.

29 der 30 grössten US-Vermögensverwalter halten mittlerweile Bitcoin-ETFs, wenn auch mit einer medianen Allokation von nur 0,10 Prozent. Grosse Adressen wie BlackRock empfehlen 1 bis 2 Prozent Portfolioanteil, die spanische Grossbank BBVA sogar bis zu 7 Prozent. Würde sich eine Bitcoin-Position von 2 bis 4 Prozent in 20 bis 40 Prozent der weltweiten Portfolios etablieren, ergäbe das laut River-Modell einen Kapitalzufluss von 1,3 bis 5,3 Billionen Dollar über die kommenden drei bis fünf Jahre.

Was das für den Bitcoin-Kurs bedeuten könnte, warum diese Rechnung mit Vorsicht zu geniessen ist und wo die Schwachstellen des Modells liegen – lesen Sie im vollständigen Artikel.

Ein Vermögenswert, den fast niemand hält

River, ein auf Bitcoin spezialisierter US-Finanzdienstleister, hat Anfang September 2026 eine Analyse veröffentlicht, die sich mit einer einfachen Frage befasst: Was passiert mit dem Bitcoin-Kurs, wenn institutionelle Anleger ihre eigenen Empfehlungen tatsächlich umsetzen?

Der Ausgangspunkt ist eine Zahl, die zunächst überrascht. Trotz jahrelanger Diskussion über institutionelle Adoption besitzen laut River nur rund 4 Prozent der Menschen weltweit überhaupt Bitcoin. Bei US-amerikanischen Anlageberatern, die zusammen etwa 146 Billionen Dollar verwalten, liegt die durchschnittliche Bitcoin-Allokation bei lediglich 0,008 Prozent des verwalteten Vermögens. Zum Vergleich: Aktien machen bei diesen Beratern 53 Prozent aus, alternative Anlagen wie Gold und Rohstoffe 17,6 Prozent.

Diese Zahl ist deshalb bemerkenswert, weil sich das Bild bei den grössten Adressen längst gewandelt hat. 29 der 30 grössten registrierten US-Anlageberater (RIAs) weisen mittlerweile Bitcoin-ETF-Bestände aus. Der mediane Anteil liegt zwar nach wie vor bei nur 0,10 Prozent, wächst laut River aber Jahr für Jahr weiter.

Wall Street empfiehlt, was sie selbst kaum hält

Der eigentliche Widerspruch liegt woanders: Zwischen dem, was grosse Finanzinstitute ihren Kunden empfehlen, und dem, was tatsächlich in den Portfolios landet, klafft eine erhebliche Lücke.

BlackRock legt in einem eigenen Report eine Bitcoin-Positionsgrösse von 1 bis 2 Prozent nahe. Bei der spanischen Grossbank BBVA sind es bis zu 7 Prozent, bei Charles Schwab und Fidelity liegen die Empfehlungen im mittleren Bereich dazwischen. Insgesamt bauen mittlerweile 16 der 25 grössten US-Banken eigene Bitcoin-Produkte für ihre Kunden auf, darunter Citi, JPMorgan, Goldman Sachs und Morgan Stanley.

Der Grund für diesen Wandel liegt nahe: Seit der Zulassung der US-Spot-Bitcoin-ETFs im Januar 2024 verdienen diese Institute selbst am Zugang zu Bitcoin mit. Sie haben damit kaum noch einen Anreiz, Kunden von der Anlageklasse fernzuhalten.

Die Rechnung hinter dem Kapitalzufluss

River leitet aus dieser Lücke ein Modell ab, wie viel neues Kapital in den kommenden drei bis fünf Jahren in Bitcoin fliessen könnte.

Die Annahme: Wenn sich in 20 bis 40 Prozent der weltweiten Anlageportfolios eine durchschnittliche Bitcoin-Allokation von 2 bis 4 Prozent durchsetzt, ergibt das gegenüber einem geschätzten globalen Finanzvermögen von 333 Billionen Dollar einen Kapitalzufluss von 1,3 bis 5,3 Billionen Dollar.

Gestützt wird diese Annahme durch eine Umfrage des Vermögensverwalters Bitwise, wonach der Anteil der Anlageberater mit Krypto-Exposure von 22 Prozent im Jahr 2024 auf 32 Prozent im Jahr 2025 gestiegen ist. Weitere 56 Prozent der noch nicht investierten Berater gaben an, eine Allokation zu prüfen oder zu planen. River bezeichnet die eigene Schätzung von 20 bis 40 Prozent Portfoliodurchdringung deshalb ausdrücklich als konservativ.

Im Vergleich zu vergangenen Bitcoin-Bullenmärkten wäre das ein deutlicher Sprung: Zwischen 2022 und 2025 flossen laut River rund 742 Milliarden Dollar netto in Bitcoin. Das aktuelle Szenario würde diesen Betrag um das 1,7- bis 7,1-fache übertreffen.

Was ein Dollar Kapitalzufluss für den Kurs bedeutet

Kapitalzuflüsse allein sagen noch nichts über den Kurseffekt aus. Hierfür zieht River einen Multiplikator heran: Laut Forschung der Ökonomen Xavier Gabaix und Ralph Koijen lässt ein zusätzlicher Dollar Kapitalzufluss die Marktkapitalisierung des US-Aktienmarkts um etwa 5 Dollar steigen, weil bestehende Halter bei steigender Nachfrage nicht proportional mitverkaufen.

Bei Bitcoin lag dieser Multiplikator historisch zwischen 3,1 und 4,5 – am höchsten in der frühen Marktphase 2015 bis 2017, zuletzt bei rund 3,1 in den Jahren 2022 bis 2025. Für die kommenden drei bis fünf Jahre rechnet River mit einem eher vorsichtigen Faktor von 3.

Bei einem Kapitalzufluss von 1,3 bis 5,3 Billionen Dollar und diesem Multiplikator ergibt sich eine zusätzliche Bitcoin-Marktkapitalisierung von 3,9 bis 15,9 Billionen Dollar. Gemessen an der aktuellen Marktkapitalisierung von rund 1,6 Billionen Dollar entspräche das einem Bitcoin-Kurs zwischen 250'000 und 840'000 Dollar bis etwa 2031. Der Bitcoin-Kurs lag zum Zeitpunkt der Publikation bei rund 80'000 Dollar, nachdem er sich zuvor um mehr als 35 Prozent von seinem Allzeithoch aus dem Oktober 2025 entfernt hatte. River betont dabei ausdrücklich, dass für das untere Ende der Spanne lediglich eine Fortsetzung des aktuellen Adoptionstrends nötig wäre.

Warum diese Zahl mit Vorsicht zu geniessen ist

So sauber die Rechnung aufgeht, sie bleibt ein Modell mit mehreren Annahmen, nicht eine Prognose im eigentlichen Sinn. Jede der drei Grössen – Portfoliodurchdringung, durchschnittliche Allokation und Preis-Multiplikator – ist eine Schätzung, keine feststehende Grösse. Andere Annahmen würden zu einem anderen Ergebnis führen.

Das zeigt sich auch daran, wie unterschiedlich andere Marktteilnehmer an das Thema herangehen. Der Bitcoin-Analyst Will Clemente rechnete zur gleichen Zeit vor, dass allein eine 1-prozentige Bitcoin-Allokation der rund 70 Billionen Dollar schweren globalen Pensionskassen bei einem – aus seiner Sicht konservativen – Multiplikator von 10 die Marktkapitalisierung von Bitcoin um weitere 7 Billionen Dollar steigen liesse. Bitwise-CIO Matt Hougan wiederum stützt sein eigenes Kursziel von 1 Million Dollar innerhalb von zehn Jahren nicht auf ein Kapitalflussmodell, sondern auf einen Vergleich mit dem globalen Wertspeichermarkt für Gold. Beide Ansätze kommen zu höheren Zahlen als River, was zeigt, wie sensibel solche Modelle auf die gewählten Annahmen reagieren.

Zudem blendet das River-Modell die Angebotsseite weitgehend aus. Im Jahr 2025 etwa haben Langzeithalter beobachtbar mehrere Hunderttausend Bitcoin abgestossen. Ob und in welchem Umfang sich das wiederholt, entscheidet mindestens so stark über den Kursverlauf wie die Nachfrageseite, die River in den Mittelpunkt stellt. Ein Markt bildet sich immer aus Angebot und Nachfrage zugleich – ein Kapitalzuflussmodell, das nur eine Seite betrachtet, bleibt zwangsläufig unvollständig.

Fazit

Das River-Modell liefert keine Kursprognose im klassischen Sinn, sondern eine nachvollziehbare Rechnung darüber, was passieren könnte, wenn Wall Street ihre eigenen Bitcoin-Empfehlungen tatsächlich umsetzt. Genau darin liegt der eigentliche Wert der Analyse: nicht in der Zahl 840'000, sondern in der schlichten Beobachtung, dass zwischen institutioneller Empfehlung und institutioneller Realität noch eine erhebliche Lücke klafft. Ob und wie schnell sich diese Lücke schliesst, wird der Markt in den kommenden Jahren zeigen – nicht ein Modell auf dem Papier.

Bitcoin Locarno begleitet Privatpersonen und KMU beim strukturierten und informierten Einstieg in Bitcoin. Unabhängig, ohne Eigeninteresse, auf Augenhöhe.

Wählen Sie Ihren nächsten Schritt mit Bitcoin Locarno

Möchten Sie Ihr Wissen vertiefen?
Mit unseren Coachings erhalten Sie eine unabhängige und fundierte Begleitung.

Suchen Sie verlässliche Tools?
In unserem Shop finden Sie sorgfältig ausgewählte Wallets, Bücher und Zubehör.

Möchten Sie mit dem Bitcoin Kauf beginnen?
Wir bieten sichere Lösungen, um Bitcoin strukturiert zu erwerben.

Möchten Sie informiert bleiben? Abonnieren Sie unseren Newsletter.

Unterstützen Sie die Bitcoin-Bildung

Bitcoin Locarno fördert das Verständnis von Bitcoin durch Bildungsinhalte, monatliche Treffen und Aufklärungsarbeit. Mit Ihrem Beitrag unterstützen Sie die Bitcoin-Bildung und helfen dabei, eine informierte und bewusste Gemeinschaft aufzubauen.

Unterstützen Sie das Projekt mit Bitcoin

https://checkout.opennode.com/p/f2b504f9-26eb-4b22-b312-99a2edfe8664

Kevin Quast

Il mio viaggio nel mondo di Bitcoin è iniziato nel 2020 durante una passeggiata invernale con un buon amico, che mi ha parlato con entusiasmo di Bitcoin e della sua visione. Da allora, questo tema non mi ha più lasciato!

https://www.bitcoin-locarno.ch
Indietro
Indietro

Bitcoin ist schlecht verteilt? Was die Zahlen wirklich zeigen

Avanti
Avanti

Vom Aussenseiter zur Staatsräson: Wie Bitcoin in die Tresore der Notenbanken vordringt