Zentralbanken kaufen Gold auf Rekordhöhe. Hält Ihr Fonds noch Anleihen?

Zusammenfassung

Siebzig Jahre lang war das 60/40-Portfolio die Grundlage westlicher Vermögensverwaltung. 60 % Aktien für Wachstum, 40 % Anleihen als Schutz. Das Modell funktionierte aus einem einzigen Grund: Wenn Aktien fielen, stiegen Anleihen. Negative Korrelation als Puffer.

2022 brach dieses Modell innerhalb eines einzigen Jahres zusammen. Das 60/40-Portfolio fiel um 17,5 % – die schlechteste Performance seit 1937 und die viertschlechteste in den letzten 200 Jahren. Aktien und Anleihen fielen gleichzeitig. Der Puffer existierte nicht mehr.

Was folgte, war aufschlussreicher als der Crash selbst: Zentralbanken kauften 2022 ein Rekordhoch von 1'136 Tonnen Gold – den höchsten Stand seit den 1950er Jahren. 2023 folgten 1'050 Tonnen, 2024 nochmals 1'045 Tonnen. Drei aufeinanderfolgende Jahre über 1'000 Tonnen – nie davor gesehen. Die klügsten institutionellen Akteure der Welt haben die Konsequenz bereits gezogen. Der Privatsparer schaut noch zu.

Was strukturell gebrochen ist, warum Zentralbanken auf Rekordhöhe Gold kaufen und wohin das Kapital fliesst – lesen Sie im vollständigen Artikel.

Das Modell, das 70 Jahre funktionierte

Das 60/40-Portfolio wurde in den 1950er Jahren von Harry Markowitz entwickelt – als Teil seiner modernen Portfoliotheorie. Die Idee war elegant: Kombiniere zwei Anlageklassen, die sich gegensätzlich verhalten, und du erhältst ein Portfolio, das in fast allen Marktphasen positive Renditen liefert. Aktien als Wachstumsmotor, Anleihen als Stoßdämpfer.

Und es funktionierte. Von den 1950er Jahren bis 2021 lieferte das 60/40-Portfolio über alle Dekaden hinweg eine annualisierte Rendite von rund 7,8 % – mit deutlich weniger Volatilität als ein reines Aktienportfolio. Es gab schlechte Jahre, aber in 150 Jahren historischer Daten verlor das Modell nur in wenigen Ausnahmejahren nennenswert.

Der Grund: Sinkende Zinsen über vier Jahrzehnte. Von den 1980er Jahren bis 2021 fielen die Zinsen in einer nahezu ununterbrochenen Bewegung von über 15 % auf nahezu null. Sinkende Zinsen bedeuten steigende Anleihekurse. Jedes Mal wenn Aktien in einer Rezession fielen, sanken auch die Zinsen – und Anleihen stiegen. Die negative Korrelation war kein strukturelles Naturgesetz. Sie war ein Produkt einer einzigartigen 40-jährigen Zinsperiode.

2022: Das Jahr, in dem das Modell brach

Dann kam 2022. Inflation stieg auf einen 40-Jahres-Hochstand von knapp 9 % in den USA. Die Federal Reserve erhöhte die Zinsen so aggressiv wie seit den frühen 1980er Jahren nicht mehr. Das Ergebnis: Der S&P 500 fiel um 18,1 % und US-Staatsanleihen erlebten ihren schlimmsten Drawdown in der Geschichte.

Das 60/40-Portfolio verlor 17,5 % in einem einzigen Jahr. Das war nicht nur ein schlechtes Jahr. Von 2021 bis Mitte 2023 lieferte die 60/40-Strategie ihre schlechteste Periode in 150 Jahren – getrieben durch Anleiheverluste in einer Phase aggressiver Zinserhöhungen und Inflation.

Und dann die eigentliche strukturelle Botschaft: Das 60/40-Portfolio erreichte erst im Juni 2025 wieder sein vorheriges Hoch – das einzige Mal in den letzten 150 Jahren, dass es länger brauchte als der Aktienmarkt allein. Vier Jahre, um einen Verlust aufzuholen, den ein reines Aktienportfolio schneller überwunden hatte.

Von 2021 bis 2025 verloren Anleiheninvestoren fast 23 % ihrer Kaufkraft durch Inflation, während die Renditen kaum mit der Inflation Schritt hielten.

Warum das kein Ausrutscher war – die strukturelle Erklärung

Das ist die entscheidende Frage: War 2022 ein einmaliges Ereignis oder das Ende eines Zeitalters?

Die Antwort liegt in der Korrelationsstruktur. Das 60/40-Portfolio funktioniert nur, wenn Aktien und Anleihen negativ korreliert sind – also wenn eines fällt, das andere steigt. Diese negative Korrelation galt von 2000 bis 2021 verlässlich. Aber sie ist historisch die Ausnahme, nicht die Regel.

Vor den 2000er Jahren war eine positive Korrelation zwischen Aktien und Anleihen die Norm, nicht die Ausnahme. In Phasen erhöhter Inflation – wie den 1970er Jahren und den 1980er Jahren – fielen beide gleichzeitig. Das Jahrzehnt von 2000 bis 2021 war eine historische Anomalie, ermöglicht durch strukturell sinkende Inflation und Zinsen.

Was wir seit 2022 haben, ist eine Rückkehr zur historischen Normalität: strukturell erhöhte Inflation durch jahrzehntelange Geldmengenausweitung, steigende Zinsen als Reaktion, und damit positive Korrelation zwischen Aktien und Anleihen. Beide fallen, wenn die Inflation steigt und die Zentralbanken reagieren. Der Puffer existiert nicht mehr – und er wird in einem inflationären Umfeld nicht zurückkommen.

Was die Zentralbanken der Welt tun

Hier liegt die eigentliche Geschichte – und sie ist aussagekräftiger als jede Marktprognose.

Zentralbanken sind die institutionellen Akteure mit dem längsten Zeithorizont und dem besten Zugang zu makroökonomischen Daten. Was sie kaufen, sagt mehr über die Zukunft des Geldsystems aus als jeder Analytikerbericht.

2022 kauften Zentralbanken weltweit 1'136 Tonnen Gold – der höchste Stand seit den 1950er Jahren. 2023 folgten 1'050 Tonnen, 2024 nochmals 1'045 Tonnen. Drei aufeinanderfolgende Jahre über 1'000 Tonnen – ein Kauftempo, das mehr als doppelt so hoch liegt wie der jährliche Durchschnitt von 473 Tonnen zwischen 2010 und 2021.

Der Auslöser: Die Einfrierung von 300 Milliarden Dollar russischer Zentralbankreserven 2022 schickte Schockwellen durch das globale Finanzsystem und veranlasste Nationen, ihre Abhängigkeit von dollarbasierten Assets grundlegend zu überdenken. Wenn Dollar-Reserven über Nacht eingefroren werden können, ist ihre Funktion als sicherer Hafen fundamental in Frage gestellt.

Der Anteil der Zentralbanken, die ihre Goldreserven aktiv managen, stieg von 37 % im Jahr 2024 auf 44 % im Jahr 2025. Und 95 % der Zentralbanken weltweit erwarten laut Umfragen, ihre Goldreserven 2026 weiter zu erhöhen.

Das ist keine Spekulation. Das ist strategische institutionelle Absicherung – von den Institutionen, die das globale Finanzsystem besser kennen als jeder andere.

Was in harten Assets passiert: die Zahlen

Die Umschichtung ist nicht theoretisch. Sie zeigt sich in den Preisen.

Gold legte vom November 2022 bis heute von rund 1'640 Dollar auf über 4'000 Dollar zu – ein Plus von rund 144 % in 3,5 Jahren. Das ist kein kurzfristiger Trend. Das ist eine strukturelle Neubewertung eines Assets, das seit Jahrhunderten als Kaufkrafterhalt gilt.

Bitcoin legte im selben Zeitraum von 15'479 Dollar auf aktuell rund 70'000 Dollar zu – ein Plus von rund 352 %. Nicht weil es modisch ist, sondern weil es strukturell dieselbe Logik erfüllt wie Gold – mit dem Unterschied eines absolut fixierten Angebots von 21 Millionen Einheiten, das kein Zentralbankbeschluss verändern kann.

Rohstoffe hatten von 2020 bis 2022 eine der stärksten Perioden der letzten Jahrzehnte – in exakt jener Phase, in der Anleihen ihren historischen Crash erlitten.

Das Muster ist klar: In einem Umfeld strukturell erhöhter Inflation outperformen harte Assets mit begrenztem Angebot. Das war in den 1970er Jahren so. Es ist seit 2022 wieder so.

Was die österreichische Schule schon immer wusste

Ludwig von Mises hat in "The Theory of Money and Credit" beschrieben, warum Anleihen in einem inflationären Fiat-System langfristig keine Kaufkraft erhalten können. Sie sind Versprechen auf zukünftige Geldeinheiten – und diese Geldeinheiten werden in einem schuldenbasierten System strukturell entwertet. Wer 40 % seines Portfolios in Anleihen hält, hält 40 % in einem Asset, das systematisch an Wert verliert.

Friedrich Hayek hat gezeigt, warum hartes Geld – Geld mit fixiertem oder stark begrenztem Angebot – diese Entwertung strukturell verhindert. Gold hat diese Funktion über Jahrhunderte erfüllt. Bitcoin ergänzt sie mit einer Präzision, die Gold nicht erreichen kann: Das Angebot ist nicht geologisch begrenzt, sondern mathematisch auf 21 Millionen Einheiten fixiert. Unveränderlich, für jeden verifizierbar, durch keine Institution der Welt ausdehnbar.

Was 2022 passierte, war für jeden, der die österreichische Schule gelesen hatte, keine Überraschung. Es war die vorhergesagte Konsequenz von 40 Jahren fallender Zinsen, expandierender Geldmenge und einer Anleihenbewertung, die keine Pufferkapazität mehr hatte.

Was das für den Privatsparer bedeutet

Die Zentralbanken haben die Konsequenz gezogen – seit 2022 kaufen sie Gold auf Rekordhöhe. Institutionelle Investoren beginnen, ihr Portfolio anzupassen. Family Offices, Pensionskassen und Stiftungen diskutieren öffentlich die Aufnahme von Bitcoin als Portfoliokomponente.

Der Privatsparer ist in vielen Fällen noch immer im 60/40-Modell seiner Bank – oder in einem Fonds, der es repliziert. Das ist keine Kritik an einzelnen Beratern. Es ist die strukturelle Trägheit eines Systems, das sich langsam anpasst. Neue Paradigmen verbreiten sich langsam. Die 70er Jahre dauerten fast ein Jahrzehnt, bevor die Mehrheit verstand, dass Inflation strukturell war.

Konkret bedeutet das: Wer 40 % seines Portfolios in Anleihen hält, sollte sich fragen, welche Funktion diese Anleihen in einem inflationären Umfeld erfüllen. Als Puffer gegen Aktienabschwünge? Das funktioniert nur bei negativer Korrelation – die in einem inflationären Umfeld nicht garantiert ist. Als Kaufkrafterhalt? Von 2021 bis 2025 verloren Anleiheninvestoren real 23 % ihrer Kaufkraft.

Die Alternative ist keine komplizierte Theorie. Es ist dieselbe Schlussfolgerung, die Zentralbanken, Family Offices und institutionelle Investoren bereits gezogen haben: Ein Teil des Portfolios in Assets mit begrenztem oder fixiertem Angebot – Gold, Bitcoin – erfüllt in einem inflationären Umfeld strukturell besser die Funktion, die Anleihen in einem deflationären Umfeld erfüllten.

Fazit

Das 60/40-Portfolio ist nicht tot weil jemand es für schlecht befindet. Es ist strukturell unter Druck weil die makroökonomischen Bedingungen, die es funktionieren liessen – sinkende Zinsen, sinkende Inflation, negative Aktien-Anleihen-Korrelation – seit 2022 nicht mehr verlässlich gelten.

Zentralbanken kauften drei Jahre in Folge über 1'000 Tonnen Gold – ein Kauftempo, das mehr als doppelt so hoch liegt wie der historische Durchschnitt. Das ist keine Panik. Das ist strategische Neuausrichtung von Institutionen mit dem längsten Zeithorizont und dem besten Informationsstand.

Die grosse Umschichtung von Anleihen zu harten Assets läuft. Nicht dramatisch, nicht über Nacht – aber strukturell und messbar in den Daten. Wer die Signale versteht, handelt früher als der Mainstream.

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Kevin Quast

Il mio viaggio nel mondo di Bitcoin è iniziato nel 2020 durante una passeggiata invernale con un buon amico, che mi ha parlato con entusiasmo di Bitcoin e della sua visione. Da allora, questo tema non mi ha più lasciato!

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