Wer hat bei Bitcoin das letzte Wort? Wie Nutzer die mächtigsten Firmen der Branche überstimmten.

Zusammenfassung

Mai 2017, New York. 58 Unternehmen aus 22 Ländern unterzeichnen ein Abkommen, um die Regeln von Bitcoin zu ändern. Zusammen kontrollieren sie rund 83 Prozent der weltweiten Rechenleistung. Sechs Monate später ist der Plan abgesagt. Verloren haben sie nicht gegen einen Konkurrenten, sondern gegen gewöhnliche Nutzer, die auf eigenen Rechnern prüfen, ob neue Blöcke den Regeln entsprechen.

Es war nicht die einzige Bewährungsprobe. 2014 verschwanden bei Mt. Gox, damals dem mit Abstand grössten Handelsplatz, rund 850'000 Bitcoin. 2022 brach FTX zusammen, Kundengelder in Milliardenhöhe fehlten. Beide Male schrieben Zeitungen Bitcoin ab, und beide Male lief das Netzwerk ohne Unterbruch weiter, Block für Block. “Gescheitert waren die Tresore, nicht das Gold.”

2021 verbot China das Mining. Mehr als ein Drittel der Rechenleistung verschwand innerhalb weniger Wochen aus dem Netz. Ein halbes Jahr später war sie vollständig zurück, verteilt auf die USA, Kasachstan und Russland.

Unzerstörbar ist Bitcoin deshalb nicht. Zwei Mining-Pools finden heute mehr als die Hälfte der Blöcke, und wer seine Bitcoin bei einer Börse liegen lässt, gibt Kontrolle freiwillig ab. Die Widerstandskraft des Netzwerks hängt davon ab, wie viele Menschen selbst prüfen und ihre Schlüssel selbst verwahren.

Wer bei Bitcoin tatsächlich entscheidet, was Mining-Pools können und was nicht, und warum die Verteidigung des Netzwerks am Ende beim einzelnen Nutzer liegt – lesen Sie im vollständigen Artikel.

Ein Geld ohne Herrscher zieht Herrscher an

Jedes Geld, das wir kennen, hat jemanden, der darüber bestimmt. Den Franken steuert die Schweizerische Nationalbank, den Euro die EZB, und wer die Geldmenge kontrolliert, kontrolliert einen guten Teil der Wirtschaft. Bitcoin wurde 2009 mit dem Anspruch gestartet, genau diese Instanz überflüssig zu machen. Feste Regeln, eine begrenzte Menge von 21 Millionen Einheiten, ein öffentliches Kassenbuch, das jeder einsehen kann.

Ein Geld ohne Herrscher hat allerdings ein offensichtliches Problem: Es lädt geradezu dazu ein, dass jemand die Rolle übernehmen will. Die Frage, wer Bitcoin eigentlich regiert, ist deshalb keine theoretische. Sie wurde in den vergangenen fast 18 Jahren mehrfach praktisch gestellt, von Börsen, von Grossunternehmen, von Minern und von einem der mächtigsten Staaten der Welt. Die Antworten, die das Netzwerk darauf gegeben hat, sagen mehr über Bitcoin aus als jeder Kurschart.

Gescheitert sind die Tresore

Die Geschichte von Mt. Gox beginnt fast komisch. Der Name stammt von einer Tauschplattform für Sammelkarten des Spiels «Magic: The Gathering». 2010 wurde daraus eine Bitcoin-Börse, 2011 übernahm sie der französische Programmierer Mark Karpelès in Tokio. 2013 lief laut CoinDesk rund 70 Prozent des weltweiten Bitcoin-Handels über Mt. Gox. Am 7. Februar 2014 wurden die Auszahlungen gestoppt, offiziell wegen technischer Probleme. Am 28. Februar meldete Mt. Gox Konkurs an. Verschwunden waren rund 850'000 Bitcoin, davon etwa 750'000 im Besitz von Kunden. Karpelès wurde 2015 in Japan verhaftet und 2019 lediglich wegen Manipulation der Buchhaltung zu einer bedingten Strafe verurteilt. Ein Teil der gestohlenen Coins wurde über die Börse BTC-e gewaschen, deren Mitgründer Alexander Vinnik sich 2024 in den USA schuldig bekannte. Die Kunden erhielten erst ab Juli 2024 einen Teil ihrer Bitcoin zurück, nach mehr als zehn Jahren Wartezeit.

Im November 2022 wiederholte sich das Muster in grösserem Massstab. FTX galt als eine der seriösesten Börsen der Branche, ihr Gründer Sam Bankman-Fried war das Aushängeschild einer ganzen Industrie, mit Titelseiten und Auftritten vor dem US-Kongress. Am 2. November veröffentlichte CoinDesk die Bilanz von Alameda Research, der Schwesterfirma von FTX. Ein grosser Teil der Vermögenswerte bestand aus einem Token, den FTX selbst herausgegeben hatte, im Grunde selbstgedrucktes Geld. Die Kunden begannen abzuziehen. Am 7. November schrieb Bankman-Fried auf Twitter: «FTX is fine. Assets are fine.» Einen Tag später waren die Auszahlungen gesperrt, am 11. November folgte der Konkurs. Laut dem zuständigen Richter fehlten rund 8 Milliarden Dollar an Kundengeldern. Bankman-Fried wurde im März 2024 zu 25 Jahren Haft verurteilt, Alameda-Chefin Caroline Ellison zu zwei Jahren.

Bemerkenswert ist, was in beiden Fällen nicht passiert ist. Das Bitcoin-Netzwerk lief weiter, ohne Unterbruch, als wäre nichts geschehen. Wer sein Gold in einem Banktresor lagert und die Bank wird ausgeraubt, hat sein Gold verloren. Gescheitert ist aber nicht das Gold, sondern der Tresor. Daraus folgt die vielleicht wichtigste praktische Lehre im Umgang mit Bitcoin: Wer seine Coins bei einer Börse hält, besitzt keine Bitcoin, sondern ein Versprechen. In der Szene heisst das «Not your keys, not your coins».

Wie gross darf eine Seite sein?

Gefährlicher als ein Börsenkollaps ist ein Angriff auf die Regeln selbst, und dieser kam zwischen 2015 und 2017 von innen. Das Kassenbuch von Bitcoin wächst etwa alle zehn Minuten um eine neue Seite, einen Block, und jeder Block hat begrenzten Platz. Als die Nutzung zunahm, füllten sich die Blöcke, es bildete sich eine Warteschlange, und wer schneller bestätigt werden wollte, musste höhere Gebühren zahlen. Das Problem war real.

Zwei Lösungen standen sich gegenüber. Die eine wollte grössere Blöcke, also mehr Zahlungen pro Seite und tiefere Gebühren. Die andere wollte die Blöcke klein halten, die Daten kompakter schreiben und schnelle Alltagszahlungen auf eine zweite Ebene auslagern, aus der später das Lightning-Netzwerk entstand. Der Einwand gegen grössere Blöcke war nicht technische Pedanterie. Je schwerer das Kassenbuch wird, desto weniger Menschen können eine vollständige Kopie zu Hause betreiben. Weniger Kopien bedeuten weniger unabhängige Kontrolle, und weniger Kontrolle bedeutet mehr Macht für wenige.

Auf der Seite der grossen Blöcke stand ausgerechnet Gavin Andresen, der Entwickler, dem Satoshi Nakamoto das Projekt Ende 2010 übergeben hatte. Im selben Lager bewegte sich Craig Wright, der sich 2016 öffentlich als Satoshi ausgab. Andresen erklärte damals, er glaube ihm. Die übrigen Entwickler entzogen Andresen daraufhin die Schreibrechte am Code, und er bezeichnete sein Vertrauen in Wright später selbst als Fehler. Im März 2024 stellte der britische High Court fest, dass Wright nicht Satoshi ist und seine Beweise gefälscht waren. Man muss sich die Tragweite vor Augen führen: Selbst der von Satoshi gewählte Nachfolger konnte nicht allein entscheiden, und wer sich als Satoshi ausgab, konnte Bitcoin nicht an sich reissen.

Fairerweise muss man sagen, dass beide Seiten ernsthafte Argumente hatten. Tiefe Gebühren gegen breit verteilte Kontrolle ist eine echte Abwägung. Die eigentliche Frage war aber eine andere, nämlich nicht, welche Lösung besser ist, sondern wer das Recht hat, darüber zu entscheiden.

New York Agreement

Am 22. Mai 2017, am Rande der Konferenz Consensus, versammelte Barry Silbert, Gründer der Digital Currency Group, die grössten Akteure der Branche. Am Tisch sassen Jihan Wu von Bitmain, dem damals dominierenden Hersteller von Mining-Geräten, dazu Coinbase, Blockchain.com, BitPay, Circle, Xapo, Grayscale, die grossen chinesischen Mining-Pools, die damals in der Schweiz ansässige ShapeShift und auch Gavin Andresen. Am Ende standen 58 Unternehmen aus 22 Ländern auf der Liste, zusammen rund 83 Prozent der Rechenleistung. Der Plan, bekannt als «New York Agreement», sah ein erstes Upgrade sofort vor und eine Verdoppelung der Blockgrösse innerhalb von sechs Monaten.

Auf dem Papier war die Sache entschieden. Wer das Geld und die Maschinen hat, setzt sich in der Regel durch. Vergessen hatten die Unterzeichner allerdings die Nodes. Ein Node ist ein Rechner, auf dem jemand eine vollständige Kopie des Kassenbuchs betreibt, oft ein kleines Gerät im Wohnzimmer. Ein Node tut im Grunde nur eines: Er prüft jeden neuen Block und jede Transaktion gegen die Regeln, die er kennt. Miner können noch so viel Rechenleistung aufbieten, ein Block, der gegen diese Regeln verstösst, wird von den Nodes schlicht nicht akzeptiert. Man kann es mit einem Fussballspiel vergleichen, bei dem Tausende Schiedsrichter das Regelbuch in der Hand halten. Der stärkste Spieler auf dem Platz kann ein Tor schiessen, aber wenn er dabei foult, zählt es keiner.

Genau das geschah. Nutzer setzten mit dem Vorschlag BIP 148 einen Stichtag: Ab dem 1. August 2017 würden ihre Nodes nur noch Blöcke akzeptieren, die das erste Upgrade unterstützten, und zwar zu den Bedingungen der Nutzer. Den Minern wurde damit eine einfache Rechnung präsentiert. Blöcke, die niemand akzeptiert, sind verbrannter Strom. Das Upgrade wurde am 24. August 2017 bei Block 481'824 aktiviert. Ein Teil des Lagers der grossen Blöcke spaltete sich ab und gründete eine eigene Kopie mit grösseren Blöcken, die heute kaum noch eine Rolle spielt. Und die Verdoppelung? Am 8. November 2017 wurde sie abgesagt. In der Mitteilung hiess es: «It is clear that we have not built sufficient consensus for a clean blocksize upgrade at this time.»

Für jemanden, der mit der Österreichischen Schule vertraut ist, hat dieser Ausgang etwas Vertrautes. Carl Menger beschrieb Geld als Institution, die nicht durch Dekret entsteht, sondern aus dem Handeln vieler Einzelner hervorgeht. Friedrich August von Hayek sprach von spontaner Ordnung, die kein einzelner Planer entwerfen oder übersteuern kann. In New York versuchte eine kleine Gruppe, eine solche Ordnung von oben neu zu planen, und scheiterte an Tausenden, die einfach nicht mitmachten. Der Grundsatz dahinter lautet «Don't trust, verify»: Man muss weder Unternehmen noch Minern vertrauen, man kann selbst prüfen.

Ein Staat zieht den Stecker

Vier Jahre später trat ein deutlich mächtigerer Gegner auf. Über Jahre war China das Zentrum des Bitcoin-Minings, mit günstigem Strom, Gerätefabriken und riesigen Rechenzentren. Im September 2019 standen laut der Universität Cambridge rund 75 Prozent der weltweiten Rechenleistung in China. Im Mai 2021 kündigte Peking ein hartes Vorgehen an, innerhalb weniger Wochen ordneten die Provinzen die Schliessung der Anlagen an. Bis Juni 2021 verschwanden laut Cambridge rund 38 Prozent der globalen Rechenleistung, andere Quellen schätzen den Einbruch sogar auf über die Hälfte.

Wenn Bitcoin eine Schwachstelle gehabt hätte, wäre das der Moment gewesen, sie zu finden. Passiert ist wenig Spektakuläres. Einige Wochen lang kamen die Blöcke etwas langsamer, dann passte sich das Netzwerk über die Anpassung der Schwierigkeit, die etwa alle zwei Wochen erfolgt, von selbst an. Keine Zahlung ging verloren. Die Geräte wurden in Containern auf Lastwagen und in Flugzeuge verladen und zogen weiter, in die USA, nach Kasachstan und nach Russland. Im August 2021 lagen die USA mit gut 35 Prozent bereits an erster Stelle, und im Dezember 2021 war die verlorene Rechenleistung vollständig zurück.

Die Ironie folgte später. Nach Schätzungen des Hashrate Index gehörte China Ende 2025 mit rund 14 Prozent erneut zu den drei grössten Mining-Ländern der Welt, trotz Verbot. Ein Staat kann Bitcoin auf seinem Territorium verbieten. Abschalten kann er es nicht.

Was Mining-Pools können und was nicht

Ein häufiger Einwand lautet, dass wenige grosse Mining-Pools den Grossteil der Blöcke finden und Bitcoin damit faktisch regieren. Der Einwand verdient eine genaue Antwort. Ein Pool ist ein Zusammenschluss von Minern, ähnlich einer Tippgemeinschaft im Lotto. Allein könnte ein Miner Jahre auf einen Treffer warten, gemeinsam wird die Belohnung regelmässig und nach Beitrag verteilt. Entscheidend ist, dass die Maschinen nicht dem Pool gehören, sondern den Minern, und diese können innert Minuten zu einem anderen Mining-Pool wechseln.

Dass Konzentration nicht folgenlos bleibt, zeigte sich im Juli 2014, als der Pool GHash.io kurzzeitig mehr als die Hälfte der Rechenleistung erreichte. Unter dem Druck der Gemeinschaft verpflichtete sich der Pool öffentlich, unter 40 Prozent zu bleiben, zwei Jahre später existierte er nicht mehr. Und das stärkste Argument ist das New York Agreement selbst. Wenn nicht einmal 83 Prozent der Rechenleistung genügten, um die Regeln zu ändern, dann genügt ein einzelner Pool erst recht nicht.

Ein Pool kann entscheiden, welche Transaktionen er in seinen Block aufnimmt und in welcher Reihenfolge. Er kann eine Zahlung verzögern, verhindern kann er sie nicht, weil der nächste Pool sie aufnehmen wird. Die Regeln ändern, Bitcoin aus dem Nichts erzeugen oder fremde Bitcoin anrühren kann er nicht.

Was Bitcoin nicht garantiert

Bitcoin hat alle diese Proben überstanden. Es wäre trotzdem unredlich, daraus eine Garantie für die Zukunft abzuleiten, und es gibt mindestens drei Punkte, die man ernst nehmen sollte.

Erstens ist die Konzentration beim Mining heute höher, als vielen bewusst ist. Laut einer Auswertung des Entwicklers b10c vom April 2025 fand Foundry rund 30 Prozent der Blöcke, AntPool rund 19 Prozent, mit verbundenen Pools deutlich mehr. Zusammen kommen die beiden auf mehr als die Hälfte, und sechs Pools fanden in den zwei Jahren davor 96 bis 99 Prozent aller Blöcke. Dass Miner den Pool wechseln können, ist ein Schutz, aber kein Automatismus. Das Problem ist erkannt, gelöst ist es nicht.

Zweitens ändert sich Bitcoin sehr langsam. Jede Anpassung braucht einen breiten Konsens, und genau das schützt das Netzwerk vor Akteuren, die es im eigenen Interesse umbauen wollen. Dieselbe Trägheit macht es aber schwerfällig, wenn eine Verbesserung tatsächlich nötig wäre. Bremse und Schutz sind hier dasselbe.

Drittens, und das betrifft jeden Besitzer direkt: Die Stärke von Bitcoin ist keine Naturkonstante. Sie hängt davon ab, wie viele Menschen eigene Nodes betreiben und ihre Schlüssel selbst verwahren. Mit den Spot-ETFs in den USA und wachsenden Beständen bei Unternehmen und Verwahrern liegen heute grosse Mengen bei wenigen Institutionen. Diese können die Regeln nicht ändern, das hat 2017 gezeigt. Über die Bitcoin ihrer Kunden haben sie aber sehr wohl Macht, mit allen Risiken, die Mt. Gox und FTX vorgeführt haben.

Fazit

Die Tresore sind eingebrochen, Mt. Gox und FTX, das Netzwerk nicht. Grossunternehmen mit 83 Prozent der Rechenleistung wollten die Regeln ändern und verloren gegen Nutzer mit Rechnern im Wohnzimmer. Das Land, in dem drei Viertel des Minings standen, zog den Stecker, und die Rechenleistung zog weiter und kam vollständig zurück. Unzerstörbar ist Bitcoin damit nicht, niemand kann garantieren, dass es jede künftige Probe besteht. Aber seine Widerstandskraft beruht nicht auf einer Armee, einer Zentralbank oder einem Gesetz, sondern auf vielen Einzelnen, die selbst prüfen und selbst verwahren. Niemand regiert Bitcoin, und genau deshalb hat es überlebt.

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Kevin Quast

Il mio viaggio nel mondo di Bitcoin è iniziato nel 2020 durante una passeggiata invernale con un buon amico, che mi ha parlato con entusiasmo di Bitcoin e della sua visione. Da allora, questo tema non mi ha più lasciato!

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